DER LANGE WEG ZUR ANERKENNUNG

Tanz vor dem Regierungspalast Eine Gruppe aus Arica zeigt den afrochilenischen Tumbe // Foto: Ricardo Amigo

Für Marta Salgado ist es ein großer Erfolg. Das im März vom Parlament verabschiedete Gesetz bedeutet für die Vorsitzende der afrochilenischen Organisation Oro Negro nichts weniger als „Gerechtigkeit und die Anerkennung eines historischen Erbes.“ Das Ziel, das sich Oro Negro bei seiner Gründung im Jahr 2001 gesteckt hatte, ist erreicht. Mit dem Gesetz Nr. 21.151 verpflichtet sich der chilenische Staat, in Zukunft die Kultur der Afrochilen*innen als nationales Kulturerbe zu schützen und in den nationalen Bildungsplänen Unterrichtseinheiten zu ihrer Geschichte zu verankern. Durch die begriffliche Anlehnung an das Übereinkommen 169 der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) über die Rechte indigener Völker, geht damit außerdem das Recht für Afrochilen*innen einher, im Vorfeld zu Gesetzesvorhaben oder zu sonstigen Projekten, die sie betreffen könnten, befragt zu werden.
Dies ist vor allem ein Erfolg der afrochilenischen Bewegung, die seit fast 20 Jahren auf lokaler, nationaler und internationaler Ebene Überzeugungsarbeit geleistet hat. Ein Schlüsselmoment hierbei war die Regionalkonferenz gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, die im Dezember 2000 in Santiago de Chile durchgeführt wurde. Neben Vertreter*innen von indigenen Völkern und Organisationen der Nachfahren versklavter Afrikaner*innen aus fast allen Ländern der Amerikas nahm daran auch eine kleine Delegation aus Arica teil. Auf der Eröffnungssitzung dieser Konferenz behauptete der damalige Präsident, Ricardo Lagos, dass es in Chile keine Nachfahren versklavter Afrikaner*innen gebe, da die versklavten Afrikaner*innen die rauen Temperaturen im chilenischen Winter nicht überlebt hätten. „Er wiederholte nur, was in den Schulen gelehrt wurde“, kommentierte Salgado. „In diesem Moment sind wir fünf Personen aus der Region Arica-Parinacota aufgestanden, und wir wurden als chilenische Nachfahren versklavter Afrikaner*innen vorgestellt“, erzählt sie. „Das war ein wichtiges Ereignis, denn die Vertreter von vielen Ländern dachten, dass es uns nicht gäbe! Wie sollten wir denn das einzige Land gewesen sein, in das keine Afrikaner*innen verschleppt wurden?“

Vertreter des Pueblo Tribal Afrodescendiente vor dem Kongress // Foto: Ricardo Amigo

Lange behaupteten auch Historiker*innen, dass nur wenige versklavte Afrikaner*innen das damals vergleichsweise arme Chile erreicht hätten. Und diejenigen, die in diesen peripheren Landstrich verbracht worden seien, hätten – wie von Präsident Lagos wiederholt wurde – dem Klima nicht standgehalten. Tatsächlich spielte Chile jedoch eine Schlüsselrolle in den Routen des Handels mit versklavten Afrikaner*innen, und dementsprechend verblieb hier auch eine beträchtliche Anzahl von ihnen. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts machten ihre Nachfahren rund 10 Prozent der Bevölkerung aus. Auch ihre politische und kulturelle Bedeutung ist mittlerweile durch zahlreiche Studien belegt. So spielten Militäreinheiten, die aus ehemals Versklavten bestanden, in den Unabhängigkeitskriegen nach 1810 eine wichtige Rolle. Unter maßgeblichem Einfluss afrikanischer Musik entstand in dieser Zeit auch ein Tanz, der während der Pinochet-Diktatur in den Status eines Nationaltanzes erhoben wurde: die Cueca. Trotzdem spielen Afrikaner*innen und ihre Nachfahren in der nationalistischen Erzählung und Geschichtsschreibung, die Chile als weiß begreifen wollen, kaum eine Rolle. „Oft bin ich nur aufgrund meiner Hautfarbe und meiner lockigen Haare in meinem eigenen Land als Ausländerin durchgegangen“, schreibt Marta Salgado in der Einleitung zu ihrem Buch Afrochilenos. Una historia oculta, in dem sie der afrochilenischen Präsenz in Geschichte, Kultur und Musik nachspürt.
Wenige Monate nach der Konferenz gegen Rassismus in Santiago wurde unter dem Vorsitz von Martas Schwester Sonia die erste afrochilenische Organisation gegründet: Oro Negro. Schon früh begann die Organisation in Zusammenarbeit mit Abgeordneten Gesetzesentwürfe zu verfassen. Ein weiteres, wichtiges Werkzeug der beginnenden afrochilenischen Bewegung war die Durchführung von statistischen Erhebungen, die dem demographischen Gewicht der Afrochilen*innen in der Region um Arica Ausdruck verleihen sollten. Wie sich Cristian Báez, Mitglied der 2004 als Abspaltung von Oro Negro gegründeten Organisation Lumbanga, erinnert, wurde im Vorfeld zum Zensus 2002 eine erste Befragung in der Stadt und dem nahe gelegenen, landwirtschaftlich geprägten Azapa-Tal organisiert: „Wir haben eine Art Zensus durchgeführt, nur mit Papier und Bleistift ausgestattet haben wir an Haustüren geklopft. Aber wir hatten nichts an Fachwissen, keinerlei Methodologie, nur Fragen. Und damit haben wir ein Register erstellt, das dazu dienen sollte, die Menschen zur Teilnahme an der Bewegung zu ermuntern.“ 2013 folgte dann eine Befragung mit staatlicher Unterstützung, die den Anteil der Nachfahren versklavter Afrikaner*innen an der Bevölkerung der Region Arica y Parinacota auf knapp 5 Prozent bezifferte, was ca. 8400 Menschen entspricht. Auf nationaler Ebene steht eine Erhebung der Zugehörigkeit zur Bevölkerungsgruppe der Afrochilen*innen jedoch nach wie vor aus.
Mit der Erhebung statistischer Daten sowie überhaupt mit dem Entstehen einer sozialen Bewegung der Nachfahren versklavter Afrikaner*innen in Chile nimmt Arica bisher eine Ausnahmestellung ein. Ebenso wie das weiter südlich gelegene Iquique wurde die Stadt erst in Folge des Salpeterkriegs im ausgehenden 19. Jahrhundert Teil des chilenischen Staatsgebiets. Die Bevölkerung beider Städte wurde daraufhin Opfer einer gewaltsamen und teils staatlich geförderten Verfolgung, die vor allem die Nachfahren versklavter Afrikaner*innen traf. Diese „Chilenisierung“ war, wie Báez sie beschreibt, „ein Prozess, in dem die Bevölkerung ‚weiß‘ gemacht werden sollte. Als Arica an Chile überging, wurden alle Praktiken in Arica als peruanisch stigmatisiert, so zum Beispiel die Verehrung von San Martín de Porres. Aber wenn du dir diese Bräuche anschaust, dann siehst du letztendlich, dass es ‚schwarze‘, afrikanischstämmige Bräuche waren. Diese Chilenisierung war der wichtigste historische Moment, in dem unsere afrikanischstämmige Kultur verloren gegangen ist.“ Viele afrikanischstämmige Bewohner*innen der ehemals peruanischen Städte verließen das Land, und die, die blieben, sahen sich gezwungen, sich dem „weißen“ Ideal des neuen Souveräns anzupassen.

„Ein Thema, das innerhalb der Familien verborgen wurde“


In der Anfangszeit der afrochilenischen Bewegung musste demnach erst mühsam an die vor-chilenische Vergangenheit angeknüpft werden. „Wir waren uns immer bewusst, dass wir Schwarze waren, Nachfahren von Sklaven, so wurde das damals gesagt“, erinnert sich Báez. „Es war aber ein Thema, das innerhalb der Familien verborgen wurde, es wurde nicht viel darüber geredet. Nachdem wir beim Zensus nicht berücksichtigt wurden, hat dann ein Prozess der Aufarbeitung unserer kulturellen Identität begonnen, eine Wiederaufnahme von Bräuchen, da nimmt auch die Neuerfindung des Tumbe (einer afrochilenischen Trommelmusik, Anm. d. Redaktion) ihren Anfang.“ Mit seiner Organisation Lumbanga organisierte Báez Gespräche an einem runden Tisch mit älteren Afrochilen*innen, die zum ersten Mal über ihre Erinnerungen sprachen. „Es gab viele Dinge, die verborgen waren, über die aber unsere Großeltern Bescheid wussten“, berichtet Báez. „Und nach und nach begannen sie, sich an Geschichten zu erinnern, sich an vieles zu erinnern und sich bestimmte Kulturelemente vor Augen zu führen, die uns kennzeichneten.“ Die Lebensgeschichten vieler älterer Afrochilen*innen, von denen viele bereits verstorben sind, hat Báez in seinem Buch Lumbanga. Memorias orales de la cultura afrochilena herausgegeben, das eindrucksvoll von den traumatischen Erlebnissen dieser Bevölkerungsgruppe im 20. Jahrhundert Zeugnis ablegt.
Auch wenn die rechtliche Anerkennung der Afrochilen*innen einen wichtigen Meilenstein darstellt, ist mit der Verabschiedung des Gesetzes noch nicht alle Arbeit getan. „Jetzt muss an den Durchführungsbestimmungen gearbeitet werden, die dieses Gesetz erst mit Leben erfüllen“, sagt Marta Salgado. „Alle Rechte, die das Volk betreffen, müssen respektiert werden, und wir brauchen auch wirtschaftliche Entwicklung und Zugang zu Gütern um unsere Lebensqualität zu verbessern, zum Beispiel zu modernen Landwirtschaftsgeräten in den Tälern.“ Darüber hinaus fordert sie auch „die Erforschung von Krankheiten, deren genetisch bedingte Prävalenz vor allem Nachfahren versklavter Afrikaner*innen betrifft und die im Gesundheitssystem nicht behandelt werden. Außerdem fordert sie, „dass wir in nationalen Erhebungen wie dem Zensus, der 2022 ansteht, berücksichtigt werden.“
Cristian Báez stimmt mit Salgado darin überein, dass mit dem neuen Gesetz die historische Schuld des chilenischen Staates gegenüber den Afrochilen*innen noch nicht abgetragen ist: „Die Chilenisierung hat uns dazu gebracht, uns selber zu verneinen. Unsere eigenen Eltern haben uns beigebracht, uns zu verneinen, zu versuchen, ‚weiß‘ zu werden. Daher ist es wichtig, die Geschichte neu zu schreiben, zu zeigen, dass es einen afrikanischen Beitrag gab. Das ist eine bleibende Schuld.“ Auch Azeneth Báez, die Vorsitzende von Lumbanga, verlieh bei ihrer emotionalen Rede während der Feierstunde im Regierungspalast dem Wunsch nach einer Neuschreibung der Geschichte besonderen Nachdruck: „Die Geschichte der Nachfahren versklavter Afrikaner*innen, die wir heute kennen, ist eine Geschichte, von der wir uns nicht repräsentiert fühlen. Es ist eine Geschichte, die uns keine Würde verleiht. Wir sind diejenigen, die dazu aufgerufen sind, sie neu zu schreiben und ihr mehr Menschlichkeit zu verleihen.“

 

LEICHTES RUCKELN STATT BEBEN

Es war eine Frage der Ehre, mindestens. Eine Massendemonstration sollte es werden, ein eindeutiges Zeichen der Mexikaner*innen gegen den respektlosen Umgang von US-Präsident Donald Trump mit ihrem Land und ihren Landsleuten. Ganz Mexiko auf der Straße gegen dessen Plan einer Grenzmauer, gegen Abschiebungen aus den USA, gegen die pauschale Beschimpfung als „Vergewaltiger und Kriminelle“. Der Initiative #VibraMéxico („Mexiko erbebt“) gelang es schnell, Unterstützung zu finden. Knapp 90 Organisationen aller Couleur, darunter Oxfam und Amnesty International sowie die größten Universitäten des Landes, auch die Autonome Nationale Universität (UNAM), traten dem Bündnis bei.

Protest gegen Trump „ohne Demagogie und Hurrapatriotismus“.

Die Ausrichtung schien massentauglich, pathetisch- patriotische Allgemeinplätze statt politischer Positionierung waren angesagt. „Aus Respekt und Liebe zu Mexiko“ sei die Initiative geboren, „unparteiisch, friedlich und respektvoll“ solle der Marsch am 12. Februar „die Rechte aller verteidigen, eine gute Regierung einfordern und den Stolz feiern, mexikanisch zu sein“, so der Aufruf. Wer konnte da noch ruhigen Gewissens zu Hause bleiben?

„Wir!“, hatten schon etliche studentische Gruppen der UNAM im Vorfeld angekündigt. Sie kritisierten zunächst die Entscheidung des Rektors der UNAM, Enrique Graue, die Aktion im Namen der Universität ohne vorherige Befragung ihrer Mitglieder zu unterstützen. In einem offenen Brief gingen die Studierenden dann auch auf den Protestmarsch direkt ein, den sie als Unterstützung der Regierung unter dem Deckmantel der „nationalen Einheit“ bewerteten. Protest gegen Trump müsse „ohne Demagogie und Hurrapatriotismus“ einhergehen. Auch andere regierungskritische Organisationen und Intellektuelle lehnten eine Beteiligung an dem Protestbündnis ab. Sie kritisierten die Beteiligung von regierungsnahen Organisationen und Politiker*innen. Diese hätten ein Interesse daran, den Unmut über Trump in eine Rückendeckung für die unpopuläre mexikanische Regierung der Revolutionären Institutionellen Partei (PRI) umzumünzen. Diese hat nach der drastischen Erhöhung der Benzinpreise (siehe LN 512) eine Zustimmungsrate von nur noch zwölf Prozent. So äußerte sich der katholische Priester Alejandro Solalinde, Menschenrechtsverteidiger insbesondere für Migrant*innen, besorgt über die unkritische Unterstützung von #VibraMéxico. „Ich bedauere es sehr, dass Personen mit so viel moralischer Anerkennung und Autorität in einem von Televisa, der PRI und der PAN organisierten Marsch mitmachen“, so Solalinde (PAN war Regierungspartei von 2000-2012, Anm. d. Red.).

Pathetisch-patriotische Allgemeinplätze statt politischer Positionierung

Tatsächlich zählen vor allem rechte und regierungsnahe Medien, Wirtschaftsverbände und Organisationen zu den Initiator*innen von #VibraMéxico. Dazu zählt neben dem TV-Giganten Televisa auch die Organisation Mexicanos Primero. Diese steht federführend hinter derneoliberalen Bildungsreform, gegen die sich die Gewerkschaft der Lehrer*innen (CNTE) weiter vehement wehrt (siehe LN 509). Andrés Manuel López Obrador, Chef der Linkspartei MORENA und erneut Präsidentschaftskandidat für 2018, sonst nicht um ein Wort zur Verteidigung mexikanischer Souveränität gegenüber den USA verlegen, vermied es geflissentlich, auch nur ein Wort über #VibraMéxico zu verlieren.

Das Beben blieb am Tag der Wahrheit aus. Nach Angaben der Initiative folgten 40.000 Menschen in 21 Städten dem Aufruf, davon 20.000 in Mexiko-Stadt – eher bescheiden angesichts der Vielzahl an potenten Unterstützungsorganisationen und ihres Anspruchs, das ganze Land auf die Straße zu holen. Gerade für die Verhältnisse der demonstrationserprobten Hauptstadt war es alles andere als die erhoffte Massendemonstration. Zum Vergleich: Die LGBTIQ*-Parade im letzten Jahr hatte das Zehnfache an Menschen auf die Straßen von Mexiko-Stadt gelockt. Und es kamen auch deutlich weniger Teilnehmer*innen als bei den Januar-Protesten gegen die Regierung von Präsident Enrique Peña Nieto anlässlich des Anstiegs der Benzinpreise, dem gasolinazo. Allein in Guadalajara, der zweitgrößten Stadt Mexikos, waren am 22. Januar 40.000 Menschen auf die Straße gegangen.

Das Beben blieb am Tag der Wahrheit aus.

Und während die Gasolinazo-Demonstrationen tatsächlich sozial sehr heterogen zusammengesetzt waren, war am 12. Februar vor allem die obere Mittelschicht präsent, um gegen Trump zu protestieren. Was auf Plakaten und Schildern zu sehen war, entsprach weitestgehend den Wünschen der Organisator*innen: Gegen Trump – gern als Hitler oder Anti-Christ dargestellt –, die Mauer und Abschiebungen sowie Einforderung von Respekt; beliebteste Accessoires waren bei weitem die mexikanische Fahne und Luftballons in den Nationalfarben. Reden gab es keine, die häufig intonierte Nationalhymne musste ausreichen. Bestimmte bei den vorherigen Protesten die regierungsfeindliche Parole „Peña raus!“ den Ton, dominierten nun patriotische „¡Mé-xi-co, Mé-xi-co!“-Sprechchöre – auch, um aufkommende Anti-Peña-Rufe zu übertönen. Dennoch nutzten einige Menschen die Gelegenheit, ihren Unmut gegenüber der eigenen Regierung auf Plakaten auszudrücken: „Das größte Problem Mexikos ist die Korruption“ oder „Ob mit oder ohne Mauer – zu Hause werden wir ausgeraubt“ lauteten einige Slogans. Keinen Erfolg hatten aber jene, die in größerem Stil protestieren wollten. Eine Gruppe mit Musikwagen und Plakaten gegen den mexikanischen Präsidenten wurde sofort von der Polizei eingeschlossen. Die dahinter folgende Gruppe von Akademiker*innen der UNAM musste dadurch eine ungewollte Pause einlegen. Ein paar der wenigen anwesenden Studierenden nahmen dies zum Anlass, ihren Rektor Graue direkt zu fragen: „Wo war die Universitätsbürokratie, als wir wegen Ayotzinapa (Bezug auf die verschwundenen 43 Studenten, siehe LN 507/508, Anm. d. Red.) auf die Straße gegangen sind?“ Als Graue dann auch noch ein Foto mit den Initiator*innen der Demonstration machte, fragte ein Journalist der Tageszeitung La Jornada: „Wann werden Sie ein Foto mit den Eltern von Ayotzinapa machen?“ Graue musste auch in den folgenden Tagen noch einige Kritik für die institutionelle Unterstützung seiner Universität an #VibraMéxico einstecken.

Die Initiator*innen hinter #VibraMéxico haben ihr Mobilisierungspotential trotz der weit verbreiteten Wut gegen Trump überschätzt. Es macht jedoch Hoffnung, wenn sich diese Wut angesichts der tiefen Krise des Landes nicht massenhaft gegen einen äußeren „gemeinsamen“ Feind kanalisiert – zumindest noch nicht. Erste Boykottaufrufe gegen US-Produkte hatten wenig Erfolg. Im Gegenteil, viele progressive Stimmen wenden sich dezidiert gegen die Burgfrieden- Absichten der regierungsnahen oder staatsaffirmativen Organisationen. Denn Anlass für Massenproteste gegen die Verhältnisse im eigenen Land gibt es zuhauf.