
„Historische Erinnerungsarbeit ist von zentraler Bedeutung, damit sich das, was geschehen ist, nicht wiederholt. Gerade in der Gegenwart ist es entscheidend, sich bewusst zu machen, was passiert ist. Vergessen darf keine Option sein. Was wir heute hier tun, ist bereits eine Form der Verteidigung von Erinnerung: sie sichtbar und präsent zu halten. Wichtig ist, Veranstaltungen zu organisieren, die unterschiedliche Menschen ansprechen, vor allem junge Menschen, die die Ereignisse von vor 50 Jahren nicht selbst erlebt haben. Wir müssen die Erinnerung aktiv verteidigen: durch kulturelle Veranstaltungen, durch Kunst, Musik, Malerei. Und natürlich durch Protest auf der Straße.“
César, Cumbia Core, Festival für die Erinnerung, Berlin
„Es ist wichtig, sich als Gesellschaft gemeinsam zu erinnern, um zu verhindern, dass sich Fehler wiederholen. Erinnerung ermöglicht es uns, in die Zukunft zu blicken, ohne die Vergangenheit auszublenden. Gleichzeitig geht es darum, eine aktive, lebendige Erinnerungskultur zu entwickeln. In diesem Prozess können wir uns begegnen, uns wiedererkennen als handelnde Subjekte unserer Gegenwart und unserer Zukunft. Für mich bedeutet Erinnerungsarbeit aus der Ferne, Brücken zu schlagen und Verbindungen zu knüpfen: zu meiner Familie, zu meinen Angehörigen, zu meinem Volk und zu all jenen, mit denen ich eine gemeinsame kollektive Erinnerung teile.“
Ricky, Asamblea en Solidaridad con Argentina, Festival für die Erinnerung, Berlin
„Für mich ist es jedes Jahr im März schwierig, nicht in Argentinien zu sein. Ich habe das Bedürfnis, am 24. März an der Demonstration teilzunehmen, auf die Plaza de Mayo zu gehen und gemeinsam mit anderen zu erinnern. Die Distanz ist belastend, vor allem, weil ich teilweise in einem deutschen Kontext lebe, in dem die Tiefe dieses Themas nicht immer vollständig verstanden wird. Eine Möglichkeit, damit umzugehen, ist, mich mit anderen auszutauschen und Gemeinschaft zu bilden. Genau darin liegt für mich ein Weg, Erinnerung gemeinsam zu gestalten.“
Ligia Liberatori, Künstlerin,
Festival für die Erinnerung, Berlin

„Historische Erinnerung hilft uns nur dann, eine bessere Gegenwart zu gestalten, wenn wir ihre Lehren im Alltag aktiv aufrechterhalten. Der Satz „Nie wieder“ allein reicht nicht aus: Er schützt uns nicht automatisch davor, dass sich Geschichte wiederholt. Erinnerung muss täglich neu geschaffen werden. Sie ist nichts Statisches, sondern etwas, das wir jeden Tag aktiv gestalten und verteidigen. Für mich bedeutet das, diese Erinnerung mit Freude und Widerstandskraft zu tragen. Vor allem aber mit Freude, denn sie ist für mich die stärkste Form des Widerstands.“
Malén Zapata, H.I.J.O.S. Deutschland,
Festival für die Erinnerung, Berlin
„Das „Nie wieder“ kann nur Bestand haben, solange wir die Erinnerung am Leben halten. Solange wir sie weiter aufbauen und politisch aktivieren. Nur so können wir das Vermächtnis all jener fortführen, die gekämpft und ihre Rechte sowie die Rechte anderer verteidigt haben. Besonders in einer Zeit, in der rechte Kräfte erstarken, ist dieses Erbe entscheidend: in Argentinien, in den USA, in ganz Lateinamerika, aber auch hier in Deutschland. Gerade jetzt ist es wichtiger denn je, dass Erinnerung zum Motor politischen Engagements und Aktivismus wird.
Ich bin in Argentinien in der Demokratie aufgewachsen. Die Stimmen, die mich am meisten geprägt und inspiriert haben, sind die der Abuelas und Madres de Plaza de Mayo. Sie sind ein herausragendes Beispiel für Widerstand: Sie haben ihr ganzes Leben lang gegen unterschiedliche Regierungen und Repressionen gekämpft, wurden diffamiert, als „verrückt“ bezeichnet und sie sind dennoch standhaft geblieben. Sie haben unermüdlich nach ihren Kindern und Enkeln gesucht. Das sind die Stimmen, die ich weiterhin hören möchte.“
Mora, Bloque Latinoamericano Berlin, Festival für die Erinnerung, Berlin

“Heute hier auf dem Platz zu sein, ist für mich ein Recht und eine Pflicht. Ich will hier sein, um für Erinnerung, Wahrheit und Gerechtigkeit zu kämpfen: für diejenigen, die hier sind, für diejenigen, die nicht mehr hier sind, für diejenigen, die nicht daran glauben, und für uns, die wissen, dass das real war, was geschehen ist. Wir müssen weiterkämpfen, denn es gibt keinen anderen Weg. Uns wurde nie etwas geschenkt, und man wird versuchen, uns zum Vergessen zu bringen, doch wir werden die Erinnerung nicht aufgeben.“
Teilnehmende Person der Demonstration am 24. März 2026, Buenos Aires
„Heute ist ein äußerst wichtiger Moment, um auf die Straße zu gehen und zu kämpfen, vor allem, um diejenigen zum Schweigen zu bringen, die leugnen, was geschehen ist. Dieser Ort ist ein zentraler Treffpunkt: Er ist voller Menschen, und wir kämpfen hier alle gemeinsam, vereint mit den Großmüttern, den Müttern, den Kindern und den Enkeln.“
Teilnehmende Person der Demonstration am 24. März 2026, Buenos Aires
„Ich muss heute hier sein. Denn ich bin 51 Jahre alt und habe all die Zeiten Argentiniens miterlebt, an die in den Reden erinnert wurde. Ich wollte daher gemeinsam mit meiner Familie heute die Großmütter begleiten und weiterhin die Wiederherstellung der Identität all jener fordern, die noch fehlen, nach denen wir immer noch suchen.“
Teilnehmende Person der Demonstration am 24. März 2026, Buenos Aires

Um das zu erreichen, braucht es Erinnerungsarbeit und lebendige Demokratie (Foto: Johanna Fuchs)








