Spiegel des Schreckens und Verschwindens

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Der Staat ist Komplize Weltweit fanden Gedenk- und Protestveranstaltungen statt, hier in Berlin (Foto: Gibran Mena)

Die Funde auf der Izaguirre Ranch in Teuchitlán, Jalisco, offenbaren den systematischen Horror, der sich im Land ausgebreitet hat. Die drei Verbrennungsöfen und das Zwangsrekrutierungslager verschwundener Personen sind keine isolierten Vorfälle, sondern Ausdruck einer Vernichtungsmaschinerie. Diese Praktiken zwingen uns, uns zu fragen: Wer trägt auf den verschiedenen Ebenen die Verantwortung für diese Gewalt?

Das Verschwindenlassen und die extreme Gewalt können nicht als voneinander losgelöste Ereignisse oder bloße Erscheinungsformen des organisierten Verbrechens verstanden werden. Vielmehr handelt es sich um ein weitaus komplexeres Geflecht, in dem, wie Daniel Vázquez (mexikanischer Politologe und Menschenrechtsforscher an der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko, Anm. d. Red.) feststellt, „kriminelle, staatliche und wirtschaftliche Strukturen zusammenwirken, um Menschenrechte zu verletzen. Das gemeinsame Agieren dieser drei Strukturen bezeichnen wir als Netzwerke der Makrokriminalität.“ Diese Netzwerke sind es, die die Straflosigkeit garantieren.

Von der Entdeckung des Zwangsrekrutierungslagers in Tala im Jahr 2017 bis hin zu den unzähligen geheimen Verstecken krimineller Gruppen in der Metropolregion Guadalajara sind die Beweise erdrückend. Der jüngste Fund durch die Guerreros Buscadores de Jalisco (Suchende Krieger aus Jalisco, Übers. d. Red.) und die Madres Buscadoras de Jalisco (Suchende Mütter von Jalisco, Übers. d. Red.) ist nur das letzte Glied einer langen Kette von Kämpfen der Familien verschwundener Personen in Jalisco, die seit Jahrzehnten Suchprozesse vorantreiben und das Grauen, in dem wir leben, enthüllen.
Doch die institutionelle Antwort bleibt dieselbe: Untätigkeit, Unterlassung und in vielen Fällen Mittäterschaft. Die Staatsanwaltschaft von Jalisco hat keinen Willen gezeigt, die Verbrechen zu untersuchen. Und die Versäumnisse sind nichts Neues – sie gehören zum Alltag der Ermittlungen. Der bewusste Verzicht auf die Fortführung von Verfahren und Untersuchungsmaßnahmen, der Widerstand gegen forensische Maßnahmen und die Einschränkungen bei der Suche in Massengräbern sind der Beweis für diese Strategie der Straflosigkeit und Intransparenz.

Vernichtungs- und Rekrutierungslager wie das in Teuchitlán können nicht ohne ein schützendes Umfeld operieren, das sie ermöglicht. Das organisierte Verbrechen hat die staatlichen Strukturen derart durchdrungen, dass es immer schwieriger wird, zwischen legalen und illegalen Akteuren zu unterscheiden. Genau hier ist das Konzept der Netzwerke der Makrokriminalität von zentraler Bedeutung. Es geht nicht nur um Kartelle, die im Verborgenen agieren, sondern um eine Struktur, in der der Staat selbst diese Praktiken unterstützt oder im besten Fall ignoriert.

Diese Realität zwingt uns, die Art und Weise, wie wir die Gewalt in Mexiko verstehen, neu zu überdenken. Wie die feministische Soziologin Maria Mies warnt: In einem System, in dem das Leben der Gewinnproduktion untergeordnet ist, kann die Anhäufung von Arbeitskraft nur mit maximaler Gewalt erreicht werden, sodass die Gewalt selbst zur produktivsten Kraft wird. Im mexikanischen Kontext bedeutet dies, dass das Verschwindenlassen und die Vernichtung von Menschen keine bloßen Kollateralschäden des sogenannten „Drogenkriegs“ sind, sondern integrale Bestandteile eines Modells der Akkumulation, Enteignung, territorialen Kontrolle, Rentenextraktion und sozialen Disziplinierung.
Die Frage nach den Verantwortlichen zu beantworten ist entscheidend, um das Ausmaß des Problems zu verstehen. Die offizielle Erzählung reduziert die Gewalt auf den Kampf zwischen Kartellen, wodurch die Beteiligung anderer Schlüsselakteure verschleiert wird. Kriminelle Gruppen haben Kontrollmodelle entwickelt, die Zwangsrekrutierung, gewalttätige Indoktrination und das Verschwindenlassen als Instrumente der territorialen Herrschaft umfassen. Der Staat spielt eine Rolle, die von Unterlassung bis hin zu aktiver Komplizenschaft reicht. Die Militarisierung hat die Gewalt nicht reduziert. Im Gegenteil, sie hat die Netzwerke der Makrokriminalität gestärkt, indem sie sie in die staatlichen Strukturen integriert hat. Unternehmen und wirtschaftliche Netzwerke, sowohl legale als auch illegale, tragen durch Geldwäsche und die Ausbeutung von Territorien und Menschen zu diesen Dynamiken bei.

Straflosigkeit ist das verbindende Element dieser Struktur. Wie Ana Laura Magaloni in ihrer Studie über die Staatsanwaltschaft feststellt: „Die Strafverfolgung in Mexiko trägt alle historischen Missstände in sich, die sich unauslöschlich im Aufbau der Institutionen, in den Arbeitsmethoden und in den aktuellen Praktiken niedergeschlagen haben.” Es ist kein Zufall, dass Ermittlungen zu Verschwundenen ins Stocken geraten oder sich Gerichtsverfahren in der Bürokratie auflösen. Das institutionelle System wurde für Intransparenz und Straflosigkeit geschaffen.

Angesichts dieser Situation ist klar, dass die herkömmlichen Mittel des Justiz­systems nicht ausreichen, um diese Netzwerke zu zerschlagen. Es braucht eine Übergangsjustiz, also außerordent­­liche Mechanismen, die gegen die massive Menschenrechtsverletzungen vorgehen und die Strukturen verändern, die sie ermöglicht haben. Ein Modell der Übergangs- und humanitären Justiz in Mexiko müsste die Aufklärung der Wahrheit durch eine Kartierung der kriminellen, staatlichen und wirtschaftlichen Strukturen beinhalten, die für das Verschwindenlassen und die Vernichtung von Menschen verantwortlich sind. Auch erfordert es die Anerkennung der Rolle des Staates und der Privatwirtschaft, nicht nur als untätige, unsichtbare oder betroffene Akteure, sondern als Akteure, die diese Praktiken ermöglichen. Zudem die Zerschlagung krimineller und institutioneller Strukturen durch die Beseitigung von Korruptionsnetzwerken innerhalb der Sicherheitskräfte und des Justizapparats. Alle Prozesse müssten außerdem Maßnahmen der Wiedergutmachung für die Opfer garantieren, nicht nur durch finanzielle Entschädigungen, sondern auch durch Zugang zu Gerechtigkeit und Garantien der Nichtwiederholung.

Die kolumbianische Erfahrung bietet einen wichtigen Bezugspunkt für die Überlegungen eines Modells der Übergangsjustiz in Mexiko. Ein System, das mit struktureller Straflosigkeit bricht und nicht ausschließlich von den Staatsanwaltschaften abhängt, so wie es derzeit der Fall ist. Im Gegensatz zum hochgradig zentralisierten und bürokratisierten mexikanischen Modell haben in Kolumbien die Sondergerichtsbarkeit für den Frieden (JEP), die Einheit für die Suche nach Verschwundenen und die Wahrheitskommission die Gründung mehrerer Institutionen mit unterschiedlichen Kompetenzen ermöglicht, die die massiven Menschenrechtsverletzungen aus verschiedenen Perspektiven in Angriff nehmen. Dies hat nicht nur zur strafrechtlichen Verfolgung direkter Täterinnen, sondern auch zur gerichtlichen Aufarbeitung von Unternehmen und Unternehmerinnen geführt, die den bewaffneten Konflikt finanziert und daran teilgenommen haben – etwas, das unter dem aktuellen System der ordentlichen Strafjustiz in Mexiko undenkbar wäre.

Darüber hinaus hat Kolumbien die Notwendigkeit eines Gesetzes zur Unterwerfung krimineller Gruppen in seine Debatte aufgenommen. Ein Gesetz, dass das Konzept der makrokriminellen Netzwerke berücksichtigt, anstatt nur isolierte Einzelpersonen zu verfolgen. Ein solches Modell könnte nicht nur die strukturelle Zerschlagung illegaler Wirtschaftszweige ermöglichen, sondern auch die Rechenschaftspflicht wirtschaftlicher, staatlicher und krimineller Akteure fördern, die die Gewalt aufrechterhalten. Anstatt ausschließlich auf die Staatsanwaltschaften zu vertrauen – Institutionen, die sich in Mexiko als ineffektiv erwiesen haben und oft sogar Komplizen der Straflosigkeit sind –, würde ein Übergangsjustizsystem mit außerordentlichen Mechanismen eine umfassende strafrechtliche Aufarbeitung ermöglichen und auch die Bedingungen verändern, die das Verschwindenlassen und die Vernichtung zu einer systematischen Praxis werden ließen.

Die Gewalt in Mexiko ist weder spontan noch unkontrollierbar. Sie ist das Ergebnis eines Straflosigkeitspakts, in dem organisierte Kriminalität, Staat und wirtschaftliche Netzwerke Wege gefunden haben, nebeneinander zu existieren und voneinander zu profitieren. Der Schrecken von Teuchitlán ist kein Einzelfall. Er erinnert vielmehr daran, dass Verschwindenlassen und Vernichtungsmethoden fest in die soziale und politische Struktur des Landes integriert wurden, mit klaren wirtschaftlichen und akkumulativen Zielen, in einem Krieg, der vielfältige und unterschiedliche Profite generiert.

Wie Karl Marx in Das Kapital warnte: „Die (Staats-)Gewalt selbst, ist eine ökonomische Potenz.“ In Mexiko manifestiert sich diese Aussage in der Art und Weise, wie Gewalt nicht nur Leben zerstört, sondern auch Wirtschaftssysteme stützt, die territoriale Kontrolle neu verteilt und Machtstrukturen stärkt, die von Terror und Verschwindenlassen profitieren. Gewalt ist keine Abweichung vom System, sondern ein zentrales Instrument von Akkumulation und Herrschaft. Angesichts dieser Realität stellt sich nicht die Frage, ob der Staat die Gewalt stoppen kann, sondern ob der politische Wille besteht, die Netzwerke zu zerschlagen, die sie aufrechterhalten. Der einzige Ausweg ist ein Prozess der Übergangsjustiz, der nicht nur die Täter*innen bestraft, sondern auch die strukturellen Bedingungen verändert, die die Gewalt zu einer historischen Konstante gemacht haben.


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„Sie übernehmen Aufgaben, die der Staat erfüllen sollte“

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 „Auf eigene Faust” Aktivist*innen verdeutlichen die Bedeutung des Kampfes gegen Menschenrechtsverletzungen (Foto: Deutsche Menschenrechtskoordination Mexiko)

Wie ist die aktuelle Situation des gewaltsamen Verschwindenlassens in Lateinamerika?
Graciela Martínez (GM): Das gewaltsame Verschwindenlassen ist eine schwere Menschenrechtsverletzung, die seit Jahrzehnten in Lateinamerika geschieht, auch wenn sie international wenig Aufmerksamkeit bekommt. Als Amnesty International hielten wir es für wichtig, dieses Thema zu behandeln und haben deshalb letztes Jahr die Kampagne Buscar sin Miedo (dt.: Suchen ohne Angst) gestartet. Sie soll insbesondere Frauen unterstützen, die in den Amerikas nach verschwundenen Personen suchen, damit sie dies ohne Angst vor Repressalien und in Würde tun können. Unser Fokus liegt vor allem auf Mexiko und Kolumbien, da die beiden Länder besonders emblematisch für die Situation der Suchenden sind. Das bedeutet aber nicht, dass das Problem nur dort existiert.

Wie sieht die Lage konkret in Mexiko und Kolumbien aus?
Mariano Machain (MM): Das Verschwindenlassen begann in Mexiko in den 60er, 70er und 80er Jahren als Repressionsmittel gegen aufständische Bewegungen. Ab 2006, mit der starken Militarisierung der öffentlichen Sicherheit und dem so genannten Krieg gegen die Drogen stieg die Zahl der Verschwundenen massiv an. Heute gibt es in Mexiko offiziell mindestens 120.000 verschwundene oder nicht lokalisierte Personen und jedes Jahr etwa 10.000 neue Fälle. Das sind nur die offiziellen Zahlen, es gibt Hinweise darauf, dass die tatsächliche Zahl höher ist. Gleichzeitig gibt es lediglich 36 Verurteilungen wegen des Verbrechens des gewaltsamen Verschwindenlassens. Zudem befinden sich über 72.000 nicht identifizierte Verstorbene in den forensischen Diensten Mexikos.
GM: Auch in Kolumbien ist das gewaltsame Verschwindenlassen trotz des Friedensabkommens nach wie vor traurige Realität.

Warum verschwinden so viele Menschen? Was trägt dazu bei?
MM: Früher war es vor allem politische Repression, die zum Verschwindenlassen führte. Journalisten und Menschenrechtsverteidiger werden auch heute weiterhin ermordet und durch das Verschwindenlassen zum Schweigen gebracht, aber das hat zum Glück abgenommen. Was dagegen stark zugenommen hat, ist das Chaos in der öffentlichen Sicherheit und die Militarisierung im Land. Viele Menschen verschwinden, weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort sind. Klar, es gibt starke Zellen der organisierten Kriminalität, die über die Mittel, die Waffen und die Logistik verfügen, um Menschen verschwinden zu lassen. Das ist möglich, aber unserer Erfahrung nach gibt es in den meisten Fällen eine gewisse Komplizenschaft des Staates.
GM: Ein weiterer Aspekt, auf den wir in unserem Bericht hinweisen, hat mit der Straflosigkeit zu tun. Sie ist eine Konstante und es gibt im Allgemeinen kaum Fortschritte bei den Ermittlungen zu verschwundenen Menschen. Das heißt, wenn die für die Menschenrechtsverletzungen verantwortlichen Personen nicht bestraft werden, gibt es keine Möglichkeit, ihnen Einhalt zu gebieten.

Wer sind die Suchenden und welchen Gefahren sind sie bei ihrer Suche ausgesetzt?
MM: 99 Prozent der Suchenden sind Frauen und sie sind massiven Übergriffen ausgesetzt. Die Suche nach verschwundenen Familienangehörigen wird immer gefährlicher. Seit 2019 wurden in Mexiko 14 Suchende ermordet, darunter 9 Frauen.
GM: Frauen spielen historisch eine zentrale Rolle bei der Suche. Sie übernehmen Aufgaben, die der Staat erfüllen sollte. Es gibt verschiedene Menschenrechtsverletzungen, die mit der Suche einhergehen: Die Suchenden werden ausspioniert, diffamiert und manchmal sogar selbst verschleppt. Sie erhalten nicht den Schutz, den sie benötigen und oft setzen sie große Teile ihrer ohnehin geringen finanziellen Mittel für die Suche ein.

Am 15. und 16. Januar fand in Genf der erste Weltkongress gegen das gewaltsame Verschwindenlassen statt. Was wurde dort diskutiert?
MM: Der Kongress brachte ein Vielzahl von Akteuren zusammen: Opferkollektive, Regierungsvertreter und zivilgesellschaftliche Organisa­tionen aus mehr als 80 Ländern, sowie die Interamerikanische und die Afrikanische Menschenrechtskommission und die UN-Organe, die sich mit dem gewaltsamen Verschwindenlassen befassen. Ziel war es, herauszufinden, was auf internationaler Ebene getan werden kann, damit das Thema für möglichst viele Regierungen – darunter auch die deutsche und die mexikanische – zu einer Priorität wird.
Konkret kam der Kongress zu sechs zentralen Schlussfolgerungen und Aktionspunkten. Ein wichtiger Punkt ist zum Beispiel die stärkere Vernetzung und Zusammenarbeit von suchenden Frauen weltweit. Eine weitere globale Verpflichtung ist die Stärkung der Zivilgesellschaft und eine engere Zusammenarbeit zwischen Basisorganisationen, betroffenen Familien und der UN. Auf lateinamerikanischer Ebene würde ich sagen, braucht es mehr Solidarität und Unterstützung zwischen Angehörigenorganisationen und zivilgesellschaftlichen Gruppen, um gemeinsame Maßnahmen voranzutreiben.

Welche Bedeutung haben internationale Foren wie das in Genf und dieses hier in Berlin für die Bekämpfung des gewaltsamen Verschwindenlassens?
GM: Solche Foren sind sehr wichtig, um Fortschritte in den verschiedenen Ländern zu teilen. Zum Beispiel hat Andrea Torres von der Fundación Nydia Erika Bautista auf dem Weltkongress in Genf über das Gesetz für suchende Frauen berichtet, das letztes Jahr in Kolumbien verabschiedet wurde. So konnten Frauen aus anderen Ländern von diesem einzigartigen Gesetz erfahren und die Bemühungen um die Rechte von suchenden Frauen vorangetrieben werden.
MM: Mit Veranstaltungen wie dieser hier in Berlin wollen wir die deutsche Gesellschaft und Regierung mobilisieren. Es kann nicht sein, dass Mexiko ein hochkarätiger Handelspartner Deutschlands ist und gleichzeitig so gravierende Menschenrechtsverletzungen begeht. Freundschaft und Partnerschaft bedeuten, gemeinsame Werte zu teilen und für dieselben Anliegen zu kämpfen – dazu gehört auch, schwere Menschenrechtsverletzungen nicht zu tolerieren.

Juan Carlos und Andrea, von euch beiden sind Familienmitglieder gewaltsam verschwunden. Könnt ihr uns mehr darüber erzählen?
Juan Carlos Lozada (JCL): Mein Vater Juan Carlos Lozada Mahuem verschwand 2009 im Bundesstaat Hidalgo, Mexiko. Seitdem kämpfe ich darum, ihn zu finden. Mein Vater ist nun seit 15 Jahren verschwunden. Die Suche wurde damals von unseren Großmüttern und Müttern begonnen und nun liegt es an uns Kindern, das fortzusetzen, was unsere Mütter begonnen haben.
Andrea Bautista (AB): Ich bin die Nichte von Nydia Erika Bautista, die am 30. August 1987 durch das kolumbianischen Militär gewaltsam verschwand. Ich war Zeugin davon. Es war an dem Tag, an dem ich meine Erstkommunion feierte. Seit ihrem Verschwinden widmet sich meine Familie der Suche nach ihr und versucht herauszufinden, was damals passiert ist.

Wie sieht euer Aktivismus heute aus, welche Ziele verfolgt ihr?
JCL: Ich habe die Gruppe Juntos por Hidalgo („Gemeinsam für Hidalgo“) gegründet. Als mein Vater verschwand, gab es in Mexiko keine Mechanismen oder rechtlichen Schutzmaßnahmen für die Angehörigen von Verschwundenen. Es gab keine Institution, die sich speziell mit der Suche, Untersuchung oder Identifizierung befasste. Daher begannen wir als betroffene Familien, uns zusammenzuschließen, um politischen Einfluss zu nehmen, Institutionen zu mobilisieren und öffentliche politische Maßnahmen zum Thema durchzusetzen. Wir kämpften für das Gesetz gegen das Verschwindenlassen, das 2017 in Mexiko verabschiedet wurde. Wir kämpfen für eine besondere Abwesenheitsfeststellung wegen Verschwindens und fordern Gesetze, die uns besser schützen.
AB: Meine Mutter hat mit einem Menschenrechtspreis, den sie damals in Deutschland gewann, die Fundación Nydia Erika Bautista gegründet. Die Arbeit der Stiftung bestand zunächst darin, humanitäre Hilfe für Familien bereitzustellen, die von Verschwindenlassen betroffen waren, insbesondere, um sie in ihren Grundbedürfnissen zu unterstützen. Denn eine der schlimmsten Folgen des Verschwindenlassens ist die Verarmung der Familien. Später haben wir die Arbeit der Stiftung ausgeweitet. Sie umfasst nun auch eine juristische Begleitung der Betroffenen sowie Lobbyarbeit bei staatlichen Institutionen und Regierungen, um politische Maßnahmen zur Verhinderung des Verschwinden­lassens voranzutreiben. Wir haben auch eine Schule ins Leben gerufen, in der wir Angehörigen Werkzeuge zur Selbstermächtigung an die Hand geben.

Gibt es Fortschritte, auf die ihr besonders stolz seid?
JCL: Unser größter Erfolg war die Verabschiedung eines Gesetzes gegen das Verschwindenlassen im Bundesstaat Hidalgo. Das war ein enormer Fortschritt für uns, weil dieses Gesetz Mechanismen und Instrumente vorsieht, die die Suche nach Verschwundenen erleichtern.
AB: Wir waren an der Schaffung aller Gesetze beteiligt, die es in Kolumbien zur Prävention und Bekämpfung des Verschwindenlassens gibt – von der ersten rechtlichen Definition des Verbrechens, dem Gesetz 589 von 2000, bis hin zum jüngsten Gesetz über suchende Frauen, das 2024 verabschiedet wurde. Am Anfang gab es viel Widerstand vonseiten der Regierung, weshalb wir auf internationale Unterstützung angewiesen waren. So konnten wir das Thema auf die politische Agenda setzen. Jetzt stehen wir vor der Herausforderung der Umsetzung des Gesetzes. Die schlechte Umsetzung stellt derzeit die größte Hürde dar.

Wie können Suchenden bei ihrer gefährlichen Aufgabe besser unterstützt und geschützt werden? Was sind eure Wünsche für die Zukunft?
JCL: Was wir in Mexiko am meisten brauchen, ist politischer Wille. Die rechtlichen Instrumente existieren bereits, aber sie müssen konsequent angewendet werden. Länder wie Deutschland können uns dabei helfen. Viele unserer größten Erfolge wurden durch internationale Kooperation möglich.
AB: Unser größter Wunsch ist es, das Verschwindenlassen zu beenden − aber im Moment nimmt es weiter zu. Besonders beunruhigend ist, dass die meisten Verschwundenen heute Jugendliche und Kinder sind. Kolumbiens Zukunft verschwindet. Wir träumen davon, dass die ordentliche Justiz und die neuen Übergangsgerichte, die mit dem Friedensabkommen geschaffen wurden, effizient, gewissenhaft und konsequent gegen die Verantwortlichen ermitteln.

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Neun Jahre ohne Aufklärung

“Lebend habt ihr sie genommen – lebend wollen wir sie zurück!” Demo von Angehörigen (Foto: Marijan Schreckeis)

„Sie sind nicht verschwunden, sie wurden uns genommen.” Davon zeigt sich Cristina Bautista in Alpoyecancingo, einem Náhuatl-Dorf in den rauen Bergen des Bundesstaates Guerrero, überzeugt. Bautista ist alleinerziehende Mutter in einer der ärmsten und gewaltvollsten Gegenden Mexikos. Seit neun Jahren ist sie zudem im Kampf für Wahrheit und Gerechtigkeit für die „verschwundenen“ Studenten von Ayotzinapa aktiv. Regelmäßig nimmt sie beschwerliche Wege auf sich, um sich an der Organisation von Protesten zu beteiligen. Cristina ist die Mutter von Benjamín Bautista. Ihr ältester Sohn ist einer der 43 Studierenden, die seit Ende September 2014 als verschwunden gelten.

In der Nacht vom 26. auf den 27. September 2014 waren 43 Normalistas, Lehramtsstudenten der Escuela Normal Rural de Ayotzinapa, in gekaperten Reisebussen auf dem Weg nach Mexiko-Stadt. Dort wollten sie an einer Demonstration in Gedenken an das „Massaker von Tlatelolco“, das der Staat 1968 an der Studierendenbewegung verübt hatte, teilnehmen. In der Stadt Iguala stoppten schwerbewaffnete Polizisten die Busse und griffen deren Insassen an. Drei Studenten und drei Unbeteiligte starben noch in derselben Nacht – getötet von sogenannten Sicherheitskräften, wohl auch mit illegal erworbenen Waffen aus deutscher Produktion.

Sechs Normalistas überlebten den Angriff, 43 gelten seither als verschwunden. Es wird davon ausgegangen, dass sie von staatlichen Einsatzkräften verschleppt und später an die kriminelle Gruppe Guerreros Unidos übergeben wurden. Auch soll das Militär zugegen und über die Vorgänge informiert gewesen sein. Der genaue Tathergang und die Motive sind jedoch nach wie vor unklar. Mehrere Zeug*innen wurden im Zuge der Ermittlungen ermordet, Aussagen nachweislich durch Folter erzwungen. Einst ermittelnde Beamte befinden sich mittlerweile selbst in Haft oder auf der Flucht. Der damalige Generalstaatsanwalt Jesús Murillo Karam sitzt seit 2022 wegen Manipulation der Ermittlungen, Folter und Beteiligung an der Entführung im Gefängnis. Der damalige Leiter der im Fall ermittelnden Kriminalpolizei, Tomás Zerón, befindet sich auf der Flucht. Ihm wird vorgeworfen, Beweise gefälscht und Zeug*innenaussagen durch Folter erzwungen zu haben.

Laut der kurz nach der Tat von den Ermittlungsbehörden als „historische Wahrheit” präsentierten Version gerieten die Studierenden in eine Auseinandersetzung zwischen kriminellen Gruppen und wurden dabei getötet. Auch korrupte Polizeieinheiten seien beteiligt gewesen. Anschließend seien die Leichen der Studenten verbrannt worden. Ziel dieser Darstellung war es, die Ereignisse als lokales Problem darzustellen und die Ermittlungen abzuwürgen, bevor sie weitergehende staatliche Verstrickungen ans Licht bringen konnten.

Anders als es in der vorherrschenden Berichterstattung erscheint, handelt es sich beim „Fall Ayotzinapa“ nicht nur um einen Kriminalfall. Der Bundesstaat Guerrero, in dem Ayotzinapa liegt, ist einer der ärmsten und gewaltvollsten in Mexiko. Die Ursprünge der Gewalt liegen unter anderem in dem sogenannten Guerra Sucia (Schmutzigen Krieg). Ungefähr von 1960 bis 1990 versuchte der Staat mit terroristischen Mitteln, die soziale Basis oppositioneller Bewegungen zu zerstören. Zur Zielscheibe wurde die arme und oft indigene Bevölkerung. Mit der Eskalation des sogenannten Drogenkrieges kam ab 2006 ein weiterer Aspekt hinzu.

Im Rahmen des schmutzigen Krieges gerieten auch die Escuelas Normales Rurales ins Visier des Staates. Ihr Ursprung liegt im postrevolutionären Mexiko der 1920er Jahre. Ihr Ziel ist die „Bildung der Massen“, was auch an sozialistischen Idealen orientiert ist. Die Studierenden der Internate kommen aus marginalisierten Verhältnissen und sind oft indigen. Nach ihrer Ausbildung kehren sie in ihre Ursprungsgemeinden zurück.

„Sie sind nicht verschwunden, sie wurden uns genommen.”

Nach dem „Verschwinden“ der Studenten von Ayotzinapa kam es in ganz Mexiko zu großen Mobilisierungen. In Guerrero wurden 28 Regierungsgebäude besetzt und Straßen blockiert. In der Hauptstadt Chilpancingo ging der Regierungspalast in Flammen auf, Demonstrierende drangen in Militäreinrichtungen ein. In Mexiko-Stadt kam es zu Massendemonstrationen und der Errichtung von teils mehrmonatigen Protestcamps und Straßenblockaden. Mit dem Amtsantritt von Präsident Andrés Manuel López Obrador 2018 verbanden Angehörige und Aktivist*innen zunächst Hoffnungen. Im Wahlkampf hatte er versprochen, sich für schonungslose Aufklärung und ein Ende der Straflosigkeit für Polizei und Militär einzusetzen.

Tatsächlich wurden die Ermittlungen zunächst wieder aufgenommen. Die Wahrheitskommission der Regierung (COVAJ) formierte sich neu und die Bedingungen für die Arbeit der international besetzten unabhängigen Expert*innengruppe (GIEI, Grupo Interdisciplinario de Expertos Independientes) der Interamerikanischen Menschenrechtskommission wurden verbessert. Sie sprechen mittlerweile von einem „Staatsverbrechen“, an dem Gemeindepolizei, Bundesstaatspolizei, Bundespolizei, Ministerialpolizei, Armee und Marine beteiligt gewesen seien.

Die Expert*innenkommission hat sechs Ermittlungsberichte vorgelegt, laut denen die Studierenden von Ayotzinapa bereits seit Jahren vom Militär und dem Nachrichtendienst überwacht worden waren. Es seien sogar zwei Spitzel in das Internat eingeschleust worden, von denen einer selbst Opfer der Tat wurde. Die militärischen Befehlshaber seien in Echtzeit über das Geschehen informiert gewesen. Agenten des militärischen Nachrichtendienstes verfolgten die Studenten ab dem Zeitpunkt, als sie in Iguala ankamen. Mehrere Militärpatrouillen wurden zu den Orten entsandt, an denen die Studenten angegriffen wurden. Auch direkte Kontakte zwischen Polizei und der mutmaßlich verantwortlichen kriminellen Gruppe sind erwiesen. Das Militär hörte die Telefone von Mitgliedern der Guerreros Unidos und der Präventivpolizei von Iguala ab. Auch wurde ein Gespräch zwischen dem Anführer der kriminellen Bande und einem Polizisten aufgezeichnet, in dem erwähnt wird, dass 17 Studenten zu einem Grab außerhalb der Stadt gebracht werden sollen.

Auf Grundlage der Ermittlungsergebnisse wurden im vergangenen Jahr 83 Haftbefehle ausgestellt, unter anderem gegen hochrangige Mitglieder in Militär, Polizei, Politik und Justiz. So wird dem damaligen Brigadekommandeur und späteren General José Rodríguez Pérez vorgeworfen, die Hinrichtung von mindestens sechs Normalistas befohlen zu haben. Sein Vorgesetzter und späterer Stabschef der Nationalen Verteidigung, General Alejandro Saavedra Hernández, soll genau über das Geschehen informiert gewesen sein.

Trotzdem behindert insbesondere das Militär die Untersuchungen weiter. 16 der gegen Militärs gerichteten Haftbefehle wurden zwischenzeitlich wieder annulliert. Im Mai wurde der damalige Bürgermeister von Iguala, José Luis Abarca, dessen Familie über enge Verbindungen zum organisierten Verbrechen verfügen soll, zunächst verurteilt, kurz darauf jedoch von einer höheren Instanz wieder freigesprochen.

Das Vertrauen der Angehörigen der 43 Studenten in die Regierung von López Obrador hat sich mittlerweile in Frust und Enttäuschung gewandelt. „Sie stehen auf der Seite des Militärs, aber sie sollten auf der Seite der Opfer stehen”, so die Einschätzung nach einem Treffen mit dem Präsidenten während der Protesttage im September. Der hatte zuvor die Armee verteidigt und Unterstützer*innen und Menschenrechtsorganisationen unterstellt, im Bund mit internationalen Organisationen seiner Regierung schaden zu wollen und vom Leid der Opfer finanziell zu profitieren.

Ende Juli hatte die unabhängige Expert*innenkommission, die sich das Vertrauen der Angehörigen erarbeitet hat, ihre Arbeit unverrichteter Dinge abgebrochen, da die Verweigerungshaltung der Armee eine konsequente Aufklärung verunmögliche. Zudem übte sie heftige Kritik an der Regierung, die sich weigere, die Armee dazu zu bewegen, der Untersuchungskommission Zugriff auf nötige Informationen zu verschaffen und Dokumente herauszugeben. Nach dem Aus der Kommission erklärten Angehörige: „Die Regierung muss sich entscheiden, auf welcher Seite sie steht: auf Seiten der Lügen der Armee oder auf der Seite der Familien und der Wahrheit.“

„Wir sind hier, weil die Militärs für das Verschwinden der Jugendlichen verantwortlich sind.“

Angesichts der Blockadehaltung der Regierung setzen die Angehörigen mittlerweile vor allem auf den Druck der Straße. Im September reisten Normalistas aller 16 Schulen des Landes nach Mexiko-Stadt, um gemeinsam mit den Angehörigen und Vertreter*innen sozialer Bewegungen eine lückenlose Aufklärung des Falls zu fordern. Auch in anderen Städten des Landes wurde demonstriert. In den Tagen zuvor war es zu Auseinandersetzungen in Chilpancingo gekommen.

In der Hauptstadt besetzten die Protestierenden symbolträchtig die Zufahrt zur Militärbasis Nr. 1 und Errichteten ein Protestcamp. „Wir sind hier, weil sie für das Verschwinden der Jugendlichen verantwortlich sind. Sie haben Zeugenaussagen manipuliert und uns angelogen. Wir wollen die Wahrheit wissen. Wir werden weiterhin unsere Stimme erheben, damit die Regierung reagiert“, erklärte Melitón Ortega, Onkel von Mauricio Ortega Valerio, einem der vermissten Studenten.

Zum Höhepunkt der Proteste demonstrierten am Abend des 26. September, des neunten Jahrestages der Gewalttat, mehrere tausend Menschen mit einer kraftvollen Demonstration in Mexiko-Stadt. Am von Aktivist*innen errichteten „Antimonument +43“ las Cristina Bautista die Namen aller „verschwundenen“ Studenten von Ayotzinapa sowie der drei Studenten vor, die an dem Tag von Einsatzkräften in Iguala getötet worden waren. Zum Abschluss enthüllte sie eine Gedenktafel, auf der die Notwendigkeit von Wahrheit und Gerechtigkeit betont wird. Ans Aufgeben denkt Bautista auch neun Jahre nach dem Verbrechen nicht: „Lebend haben sie sie uns genommen, lebend wollen wir sie zurück!”


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WO IST SANTIAGO MALDONADO?

In der argentinischen Verfassung sind indigene Rechte verankert. Anspruch und Wirklichkeit klaffen jedoch weit auseinander: Das Recht der indigenen Bevölkerungen auf Schutz ihrer Territorien wird häufig mit Füßen getreten. Im Süden des Landes schwelt seit Jahren ein Konflikt mit den Mapuche, zu denen sich etwa 100.000 Menschen in Argentinien zugehörig fühlen. Bereits seit ihrer Vertreibung und Dezimierung in der Kolonialzeit fordern die Mapuche ihre Gebiete zurück. Doch erst als in den neunziger Jahren große Ländereien in Patagonien an private Investor*innen verkauft wurden und mit Öl- und Gasbohrungen unter den Regierungen der Kirchners (2003-2015) fortgeschritten wurde, brachen die Konflikte zwischen Mapuche und argentinischem Staat offen aus. Die derzeitige Regierung von Mauricio Macri versucht, die Mapuche als Terrorist*innen und Gefahr für die innere Sicherheit darzustellen. Sie hat sogar nachweislich den argentinischen Geheimdienst mit der Aufgabe betraut, Delikte zu erfinden, die die Indigenen hinter Gitter bringen.

Auch das lof (“Gemeinde” auf Mapudungún) Cushamen gehört zum Konfliktgebiet, da es auf dem 900.000 Hektar umfassenden Grundstück des italienischen Kleiderherstellers und Multimillionärs Luciano Benetton liegt. Nach dem Staat und den Provinzen besitzt Benetton am meisten Land in Argentinien. Mehrmals versuchte die Polizei bereits gewaltsam das lof zu räumen. Ihr lonko (“Anführer”), Facundo Jones Huala, sitzt seit Ende Juni im Gefängnis.

Am 1. August griff die Polizei bei einer Straßenblockade für die Freilassung Hualas erneut hart durch. Laut der Aussage von Zeug*innen ging die Polizei mit Schusswaffen gegen die Mapuche vor und brannte deren Zelte nieder. Auch Santiago Maldonado war vor Ort. Maldonado ist selbst kein Mapuche, solidarisiert sich aber mit ihren Forderungen und war zu diesem Zweck in die Gemeinde gereist. Nach dem Angriff der Polizei floh er mit den anderen Aktivist*innen in Richtung eines Flusses. Da er jedoch nicht schwimmen kann, kehrte er auf halbem Weg wieder um. Maldonado versteckte sich in einem Busch, wo die Polizei ihn aufspürte. Die Polizeibeamt*innen verprügelten den jungen Mann, zerrten ihn in ihr Polizeiauto und verschwanden. Laut der Mapuche leitete Pablo Noceti, die rechte Hand von Innenministerin Patricia Bullrich und Vorsitzender des Kabinetts des Ministeriums für innere Sicherheit, die Operation. Dies konnte später durch Fotos und Filmaufnahmen belegt werden.

Nach dem Verschwinden von Santiago Maldonado machten zahlreiche Gerüchte die Runde. Zuerst äußerte die Regierung Zweifel daran, dass er zum Tatzeitpunkt überhaupt am Ort des Geschehens war. Bald fanden Ermittler*innen jedoch in dem Gebüsch, wo sich der Aktivist laut Zeugenaussagen versteckt gehalten hatte, seine Mütze und Blutspuren. Die Auswertung der DNA ist noch nicht abgeschlossen. Regierungsnahe Medien verbreiteten die Aussagen von Personen, die Maldonado gesehen oder sogar im Auto mitgenommen haben wollten. Tatsächlich handelte es sich jedoch nicht um den Verschwundenen. Innenministerin Bullrich ließ verlauten, dass die Familie Maldonado nicht ausreichend mit der Justiz kooperiere, weshalb die Ermittlungen nur schleppend vorankämen.

Die Regierung kommt zunehmend in Erklärungsnöte.

Die Regierung kommt zunehmend in Erklärungsnöte. Dafür sorgt auch eine Liste der unterlassenen oder verspätet eingeleiteten Maßnahmen durch die Verantwortlichen. Denn inzwischen gibt es Informationen darüber, dass auf dem Grundstück Benettons, nahe Cushamen, ein Posten der Militärpolizei stationiert ist. Von dort aus koordiniert die Polizei Aktionen gegen die Mapuche. Doch trotz der Aussagen einiger Zeug*innen, Maldonado sei dorthin verschleppt worden, ordnete der verantwortliche Richter bislang keine Durchsuchung an. Ebenso wenig wurden die Telefonate von Pablo Noceti mit der Polizei ausgewertet. Die Begründung: Es läge kein Verdacht gegen Noceti vor. Menschenrechtsorganisationen sind überzeugt, dass die Ministerin selbst ein Vorankommen bei der Suche nach Maldonado verhindere. Sie fordern ebenso wie viele andere Argentinier*innen ihren Rücktritt.

Währenddessen haben die Familie Maldonado und eine Reihe sozialer und politischer Organisationen eine Öffentlichkeitskampagne gestartet. “Lebend haben sie ihn mitgenommen, lebend wollen wir ihn zurück – JETZT” lautet das Motto, das jede Aktion begleitet. Das Gesicht des 28-Jährigen und die Frage nach seinem Verbleib haben inzwischen die Grenzen des Landes überschritten. Fotos machen die Runde, auf denen Persönlichkeiten wie Noam Chomsky oder die Fraktion von Podemos im spanischen Parlament Poster mit Maldonados Konterfei hochhalten. Hinzu kommen Solidaritätsaktionen vor der argentinischen Botschaft in unterschiedlichen Ländern – so auch in Berlin am 1. September. Auch Lieder, Gottesdienste und Nachtwachen sind Teil der Kampagne. “Es ist entscheidend, soviel Aufmerksamkeit wie möglich zu erregen, um Druck auf die Verantwortlichen auszuüben. Nur so können wir hoffen, dass die Untersuchungen weitergehen, Santiago lebendig auftaucht und niemand ungestraft davonkommt, so wie es leider schon in anderen Fällen geschehen ist”, sagt Roberto Cipriano, Anwalt und Vorsitzender des Exekutivstabs der Gedächtniskommission der Provinz von Buenos Aires, der als Nebenkläger an dem Fall beteiligt ist.

Am 1. September, einen Monat nach dem Verschwinden Maldonados, fand in Buenos Aires eine Demonstration statt. Mehr als 250.000 Menschen versammelten sich auf der zentralen Plaza de Mayo. Am Ende der Demonstration lieferten sich Polizei und Demonstrant*innen Auseinandersetzungen. Mehr als 30 Personen wurden festgenommen. Zahlreiche Hinweise darauf, dass Polizeibeamte den Protestzug infiltriert und Gewalt provoziert hätten, sorgten für Empörung in der Bevölkerung. Die Festgenommenen mussten jedoch nach 48 Stunden freigelassen werden, da es keine Beweise gab und soziale Bewegungen starken Druck ausübten. Ein kleiner Erfolg für die Protestbewegung. Doch von Maldonado fehlt nach wie vor jede Spur…


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„KEIN FOTO IST ÜBERFLÜSSIG!“

Die Angehörigen “Wie fotografiert man jemanden, der verschwunden ist?” (Fotos: Emmanuel Guillén Lozano)

 

Als die 43 Studenten in Iguala verschwanden, waren Sie selbst noch Student in Mexiko-Stadt. Was hat Sie bewegt, in den Bundesstaat Guerrero zu reisen und den Fall zu dokumentieren?
Der Fall der Studierenden aus Ayotzinapa war so etwas wie der Wendepunkt, der dem Thema der Verschwundenen in Mexiko eine neue Relevanz gab. Mir war sofort klar, dass ich etwas tun musste, um den Fall zu dokumentieren. Ich beendete mein Studium genau zwei Monate nach dem Angriff in Iguala, kaufte mir von meinen Ersparnissen eine Kamera und reiste sofort nach Guerrero. Als ich in Iguala ankam, stellte ich jedoch fest, dass die verschwundenen Studenten der Normal Rural bei weitem nicht die einzigen waren, die in der Region vermisst werden. Als der Fall Ayotzinapa bekannt wurde, löste dies eine ganze Welle von Vermisstenanzeigen aus. Die Familien dieser weiteren Verschwundenen gründeten eine Gruppe, die sich „Die anderen Verschwundenen aus Iguala“ nennt. Gemeinsam mit den Angehörigen der vermissten Studenten organisierten sie sich, um sich selbst auf die Suche nach den Verschwundenen zu machen. Ich habe einige dieser Nachforschungen begleitet und fotografiert.

Wie liefen diese Nachforschungen ab?

Im Wesentlichen gingen die Menschen gemeinsam in die Berge, zu Orten, von denen „jemand“ ihnen gesagt hatte, dass dort ein Massengrab sein könnte. Mit nichts als Schaufeln und Hacken machten sie sich auf den Weg. Außerdem hatten sie lange, dünne Metallstäbe und Hämmer dabei, deren Sinn ich nicht sofort verstand. Dann sah ich, dass sie diese Stäbe in die Erde hämmerten, wieder herauszogen und an der Spitze rochen. Wenn die Spitze schlecht roch, fingen sie an zu graben – denn das war ein Hinweis auf verwesende Leichen. Dieser erste Geruchstest war sehr oft positiv. In den allermeisten Fällen tauchten auch schon nach kurzem Graben erste menschliche Reste, Kleidung oder Knochen, auf.

Wie war es für Sie als junger Fotograf, die Menschen bei ihrer Suche zu begleiten?

Für mich war das der erste Kontakt überhaupt mit dem Thema der Verschwundenen. Gleichzeitig waren sie der wohl emotional schwerste Teil meiner Arbeit. Die schiere Verzweiflung der Menschen, die die Reste eines geliebten Angehörigen erkennen, kann man gar nicht beschreiben. In den ersten Monaten fand die Gruppe der Angehörigen, der zeitweise bis zu 500 Familien angehörten, rund um Iguala über 70 Massengräber. Was sie nicht fanden, waren die Überreste der verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa.

 

Sie begleiteten nicht nur die Suche nach Massengräbern in Iguala, sondern besuchten auch die Angehörigen der Vermissten in Ayotzinapa. Worauf konzentrierten Sie sich bei Ihrer Arbeit?

Nachdem ich die Menschen in Iguala für einige Monate begleitet hatte, fuhr ich im Juni 2015 nach Ayotzinapa. Ich besuchte die Schule, an der die verschwundenen Lehramtsanwärter studiert hatten, begleitete ihre Familien und fotografierte in einigen ihrer Wohnhäuser. Außerdem dokumentierte ich den sozialen und politischen Kontext rund um die Bewegung der Angehörigen: Demonstrationen, gewaltsame Auseinandersetzungen zwischen Protestierenden und Polizisten, verschiedene Blockaden von Menschen, die keine politische Propaganda in ihren Dörfern wollten. Ich fotografierte auch einige bewaffnete Blockaden der Drogenkartelle. Ich brauchte lange, um einen Zugang zu dem Thema zu finden – denn wie fotografiert man jemanden, der verschwunden ist? Mein Fokus lag daher darauf, das Gefühl der Leere zu dokumentieren und zu vermitteln, das diese Studenten hinterlassen haben.

Warum entschieden Sie sich zu genau diesem Zeitpunkt, Ihre Arbeit von Iguala nach Ayotzinapa zu verlagern?

Der Juni 2015 war aus meiner Sicht ein entscheidender Moment, denn zu diesem Zeitpunkt sollten in Ayotzinapa die ersten Wahlen nach dem Verschwinden der Studenten stattfinden. Die lokale Bevölkerung war so wütend, dass sie die Wahlen verhindern wollten – was ihnen im Endeffekt auch gelang. Das war für mich ein Schlüsselmoment, in dem deutlich wurde, wie unzufrieden die Menschen mit der gesamten politischen Klasse in Mexiko sind. Denn Ayotzinapa war der erste Fall, der anschaulich beweisen konnte, wie weit die mexikanische Regierung und die Drogenkartelle miteinander verflochten sind. Vorher war den meisten Mexikanern klar, dass es diese Verbindungen gibt – aber in Ayotzinapa konnte man sie das erste Mal beweisen. Nach Ayotzinapa begann ein großer Teil der mexikanischen Gesellschaft, sich Fragen zu stellen: Wie viele Bürgermeister tolerieren den Drogenhandel, wie viele Gouverneure arbeiten mit den Kartellen direkt zusammen? Im Verlauf der Untersuchungen wurde zudem deutlich, dass die mexikanische Regierung von oberster Stelle aus versuchte, die Wahrheit im Falle der verschwundenen Studenten zu verschleiern.

Was ist bis jetzt darüber bekannt, was in dieser Nacht in Iguala geschah?

Viele Theorien sagen, dass die Studenten angegriffen wurden, weil sie von einer als rebellisch bekannten Schule kamen und eine bestimmte Ideologie oder politische Gesinnung repräsentieren. Diese Theorien lassen sich genauso wenig belegen wie die offizielle Version der Regierung, wonach der Bürgermeister von Iguala die Busse angreifen ließ, weil er die Unterbrechung einer Rede seiner Ehefrau befürchtete (siehe LN 507/508).

Was ist aus Ihrer Sicht tatsächlich passiert?

Entgegen dieser Darstellungen deuten alle tiefgründigen, unabhängigen Untersuchungen in eine andere Richtung: Die bekannte Investigativjournalistin Anabel Hernández etwa hat Ende letzten Jahres ein Buch herausgegeben, in dem sie die Ergebnisse ihrer zwei Jahre dauernden Befragungen vorstellt. Sie sprach mit unzähligen Menschen, sowohl mit Nachbarn des Tatortes in Iguala als auch mit Polizisten, Militärangehörigen und Mitgliedern des Drogenkartells Guerreros Unidos, die in dieser Nacht anwesend waren. Nach der Auswertung aller Gespräche kommt sie zu dem Schluss, dass zwei der fünf Busse, in denen die Studenten reisten, offenbar mit Heroin im Wert von über zwei Millionen US-Dollar beladen waren.

Also waren vermutlich nicht die Studierenden, sondern die Busse Ziel des Angriffs?

Genau. Der Angriff erfolgte dieser Version nach nicht auf die Studenten, sondern eher auf die zwei Busse, die das Heroin transportierten. Die Lehramtsanwärter waren also eher zufälliges Opfer eines missglückten Drogentransportes. Diese Version erklärt auch, warum nur jene Studenten verschwanden, die in den spezifischen zwei Fahrzeugen reisten. Die anderen drei Busse wurden nicht angegriffen. Auch andere Untersuchungen wie die der Unabhängigen Interdisziplinarischen Expertenkommission (GIEI) deuten in dieselbe Richtung wie die Schlussfolgerungen von Anabel Hernández.

Wie genau lief der Angriff laut dieser Version der Geschichte ab?

Hernández beschreibt, dass die Studenten die Busse von einer Busgesellschaft ausliehen, ohne von den versteckten Drogen zu wissen. Auch von Seiten der Drogenkartelle scheint diese Entwicklung nicht geplant gewesen zu sein. So rief offenbar der Boss des Drogenkartells Guerreros Unidos direkt bei der örtlichen Militärbasis in Iguala an und beauftragte die Soldaten damit, sein Heroin zurückzuholen. Das muss man sich erstmal vorstellen: Ein Drogenboss befielt dem Militär, Busse wegen einer Ladung Drogen anzugreifen! Die Militäroffiziere reagierten und starteten eine gemeinsame Operation mit der lokalen und der Bundespolizei, um die Drogenladung zurückzubekommen. Sie hielten die Busse an und begannen damit, die Fracht zu entladen. Laut Hernández wurden sie dabei jedoch von den Studenten beobachtet – und das war dann vermutlich der Grund für ihr Verschwinden. Diese Version wird auch dadurch belegt, dass bestimmte Videos der Überwachungskameras in den Händen der Generalstaatsanwaltschaft auf mysteriöse Weise verschwanden – und zwar die Bilder aus genau dem Bereich, in dem die Drogen umgeladen worden sein sollen.

Sie haben bereits erwähnt, dass die mexikanische Regierung offenbar systematisch versucht, die Ereignisse zu vertuschen und die Untersuchungen zu behindern. Gab es weitere Ereignisse, die diese Versuche belegen?

Es gibt Hinweise, dass die Regierungsstellen selbst vermeintliche Beweismittel platzierten, um die Regierungsversion der Geschehnisse zu bestätigen. Ein besonders gravierender Fall betrifft die Untersuchung an der Müllhalde von Cocula. Dort fanden die Gutachter der Regierung Plastiktüten mit Knochen. Österreichische Gerichtsmediziner konnten einen dieser Knochen dem verschwundenen Studenten Alexander Mora zuordnen.

 

…was das offizielle Ermittlungsergebnis bestätigen würde, wonach die Studenten auf dieser Müllhalde lebendig verbrannt wurden. Sie zweifeln an diesem Fund?

Ein Kollege von mir veröffentlichte parallel ein Video, das er einen Tag vor der Entdeckung der Knochen in Cucula gedreht hatte. Dort sieht man, wie dieselben Gutachter, die am folgenden Tag die Tüten mit den Knochen finden, identische Tüten auf der Müllhalde deponieren. Der Verdacht liegt also nahe, dass sie die Tüten zuvor selbst dort platziert haben. Nun stellt sich jedoch die Frage: Wenn die Gutachter Knochen deponieren und einer dieser Knochen von einem der verschwundenen Studenten stammt – wie sind sie an diesen Knochen gekommen? Das würde bedeuten, dass die Gutachter direkten Zugang zu dem Leichnam von Alexander Mora gehabt haben müssen. Das würde auch bedeuten, dass sie mehr wissen, als sie offiziell sagen.

Sie haben die Familienangehörigen der verschwundenen Studenten über einen langen Zeitraum begleitet. Wie haben diese auf die verzögerten Ermittlungen und die widersprüchlichen Ergebnisse reagiert?

Die vermissten Studenten stammen alle aus sehr armen Familien. Das heißt, den Familien ging es vorher schon schlecht – und dann verschwinden auch noch ihre Söhne. Einige der Verschwundenen waren Brüder. Also betrauern manche Eltern nicht nur einen, sondern gleich mehrere ihrer Söhne. Ihre Situation ist grausam. Und obwohl die Regierung massiv versucht hat, die Untersuchungen zu behindern, haben diese Familien nicht aufgegeben und sich nicht korrumpieren lassen – und das obwohl ihnen von staatlicher Stelle mehrfach Schweigegeld angeboten wurde. Bis heute sind sie sehr aktiv, sie demonstrieren mindestens einmal im Monat in Mexiko-Stadt. Einige der Eltern sind durch die USA gereist, um auf den Fall aufmerksam zu machen. Andere haben vor dem UN-Komitee gegen gewaltsames Verschwindenlassen (CED) in Genf gesprochen. Doch das Frustrierende ist, dass sie trotz all ihrer Mühen keine Chance gegen die Mechanismen des Staates haben. Solange Enrique Peña Nieto an der Regierung bleibt, wird dieser Fall wohl nie aufgeklärt werden.

Wie gehen die Familien im Alltag mit dem Fehlen ihrer Söhne um?

Sie sind verzweifelt. Alle Familien, die ich besucht habe, haben direkt am Eingang ihres Hauses einen Altar mit dem Bild ihres verschwundenen Sohnes. Der Altar ist das Erste, was sie sehen, wenn sie das Haus betreten. Er ist das Letzte, was sie sehen, wenn sie das Haus verlassen. Er ist die einzige Möglichkeit, ihre Söhne auf irgendeine Art lebendig zu halten. Sie sagen, das Schlimmste für sie sei, dass sie keinen Ort haben, an dem sie trauern können. Keinen Ort, um Blumen abzulegen. Die andauerende Ungewissheit quält sie jeden Tag.

Wie sehen Sie Ihre Rolle als Fotograf bei der Dokumentation von Fällen wie jenem in Ayotzinapa?

Ich glaube, wenn etwas passiert wie der Fall der verschwundenen Studenten aus Ayotzinapa und wir die Möglichkeit haben, die Ereignisse zu dokumentieren, dann sollten wir das aus allen uns zur Verfügung stehenden Perspektiven tun. Kein Foto ist überflüssig, kein Video zu viel. Meine Aufgabe als Fotograf besteht darin, die Ereignisse zu dokumentieren und sie bekannt zu machen. Denn ich glaube, nur wenn solche Fälle auch außerhalb Mexikos diskutiert werden, kann Druck auf die mexikanische Regierung aufgebaut werden. Die Proteste der eigenen Bevölkerung interessieren Enrique Peña Nieto nicht. Auch deswegen arbeite ich viel mit internationalen Medien zusammen – nicht nur, weil die Bezahlung in Mexiko so schlecht ist [lacht]. Zeitungen wie die New York Times drucken meistens die Fotografien, die weiße, männliche, US-amerikanische Fotografen im Ausland aufgenommen haben. Dabei kann eine andere Perspektive ein völlig neues Bild auf die Situation werfen.

 


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