Sara Hebe: Schrei(b)en wie Shakespeare

24.09.2025 Berlin. Sara Hebe performig at SO36 Club in Kreuzberg. (Foto: Montecruz Foto)

Sara, wie geht es dir, wie läuft die Tour?
Ich bin richtig müde und erkältet. Wir haben mehrere Konzerte in Argentinien gespielt und eines in Kolumbien. Ich möchte alles mitnehmen, was geht, das fordert seinen Preis. Dazu kommt, dass ich mit meinem wundervollen Baby auf Tour bin. Mit einem kaum acht Monate alten Kind zu touren, ist sehr anstrengend, aber es gibt mir auch unglaublich viel. Wir wollten diese Tour unbedingt machen, seit zwei Jahren waren wir nicht mehr in Europa. Es gibt da diesen Song von Flema, einer Punkband aus Argentinien, „Más feliz que la mierda“ („Glücklicher als die ganze Scheiße“).

Ausgerechnet am 12. Oktober spielst du. Wird das also ein antikoloniales Konzert?
Ja, ich muss noch überlegen, was ich dort sage. Wir sind an einem Zeitpunkt der Geschichte, an dem es so wirkt, als würde alles immer schlimmer werden. Es ist unangenehm, auf der Bühne zu stehen und davon zu sprechen, dass in Gaza ein Genozid geschieht, oder aus Argentinien zu kommen und an einem 12. Oktober in Europa zu spielen. Was soll ich sagen – in Richtung Gaza, um humanitäre Hilfe zu liefern, oder ich sage einfach nichts. Einfach nur seine Meinung zu sagen, wird banal. Natürlich werde ich nicht schweigen, aber dieses Gefühl löst einen Konflikt in mir aus.

Von dir als politischer Künstlerin wird erwartet, dass du etwas sagst…
Klar, und gerade haben wir in Argentinien eine Regierung, die eigentlich etwas noch viel Seltsameres als ultrarechts ist und das Land ausliefert. Der Präsident ist schlimmer als Trump, er ist gestört und gewalttätig. Also, was soll ich schon an einem 12. Oktober sagen, dem Tag der Kolonisierung der Amerikas. Wir sind in einem Moment des ‚rette sich wer kann‘ und ich kann mir nicht erlauben zu sagen, nein, ich spiele nicht in Europa an einem 12. Oktober. Vor allem jetzt, da ich eine Tochter habe. Es kommt mir vor wie ein Witz, die Geschichte dreht sich und in Argentinien sind wir wieder Kolonie, wie im Jahr 1800, bevor wir unabhängig wurden. So etwas könnte ich sagen.

Wir haben das letzte Mal 2019 gesprochen, am Ende der Macri-Regierung, als es so schien, als würden die Dinge besser werden. Und heute…
… ist alles etwas schlimmer, aber danach kommt etwas Besseres.

Wie betrifft dich die Situation in Argentinien als unabhängige Künstlerin?
Es betrifft uns alle, die Wirtschaftslage ist sehr seltsam. Was größer wird, sind die Ränder: die armen Menschen werden ärmer, die Mittelschicht fährt in den Urlaub. Ich war nie arm, aber habe weniger Kaufkraft. Was Kultur, Gesundheitsversorgung und öffentliche Bildung angeht, ist die Lage schlimmer. Die Regierung möchte alle Errungenschaften transfeministischer Kämpfe zunichtemachen. Es geht gerade darum, den Femizid wieder aus dem Strafrecht zu nehmen. Nach so vielen Kämpfen diskutieren sie wieder, ob sie, wenn jemand seine Partnerin umbringt, nicht eher von einem Verbrechen aus Leidenschaft sprechen.

Ein Diskurs aus einem anderen Jahrzehnt.
Klar, sie möchten zurück… aber immer, wenn eine Kraft auf einer Seite wirkt, stellt sich dem die gleiche Kraft auf der anderen Seite entgegen. Ich glaube, dass die transfeministische Bewegung die Kraft zurückerlangen wird, die zu Zeiten der progressiveren Regierungen verloren ging, in denen wir es uns zu bequem gemacht haben.

Sprechen wir ein bisschen über Musik. Du wurdest kritisiert für den musikalischen Wechsel von Rap und Punk auf Politicalpari (LN 540) zu Pop und Elektro in Sucia Estrella (LN 575).
Ich schenke der Kritik keine Beachtung, das ist mir egal. Mein nächstes Album ist schon fertig: elektronischer Pop, Dubstep, Drum’n’Bass, Rap, vor allem aber meinen eigenen, besonderen Stil: meine Texte, meine Art zu schreiben und zu singen. Ich rappe, ohne mich selbst als Rapperin zu bezeichnen. Aber ich habe zwei sehr Hiphop-lastige Singles veröffentlicht, „Jova“ mit Santa Salud, einer großartigen katalanischen Rapperin und „FLAM“ mit KLAN, einem befreundeten Rapper aus Argentinien. Meine letzte Single „Siegas“ ist ein Indierock-Song, der sich um die Blindheit dreht, die die sozialen Medien verursachen. Ich war schwanger, als ich das Lied schrieb, und habe mir die Liebe vorgestellt, die ich empfinden würde.

Gibt es Features anderer Künstler*innen auf dem neuen Album?
Ja, da ist Flor Linyera, die heute Abend auch auftritt, Dum Chica, eine sehr gute argentinische Rockband, dann ist da noch Malcriada, eine Digital-Punkband aus Mexiko, die ein bisschen wie Crystal Castles klingt, außerdem Barbi Recanati, noch eine argentinische Künstlerin. Nächstes Jahr im März erscheint das Album.

Deine Lieder sind weniger offensichtlich politisch, aber haben immer noch viel politischen Inhalt, du sprichst von Party, vom Konsum…
Ich werde immer die gleichen Songs spielen scheint mir… zu Beginn habe ich sehr explizit über Politik, Gesellschaft und Drogen gesprochen, aber ich möchte mich nicht wiederholen. In der Essenz sind es immer die gleichen, klassischen Themen: Leben, Tod, Leidenschaft. Ich denke, dass Konsum viel mit Leidenschaft zu tun hat, Leidenschaft viel mit der Liebe… ich würde gerne wie Shakespeare schreiben, all seine Werke sind Klassiker, weil sie von Geschichten, die mit dem menschlichen Wesen zu tun haben, erzählen. Shakespeare ist lange vorbei und jetzt haben wir zum Glück eine neue Welt. Ich versuche, diese zu entziffern und in jedem Buchstaben klassische Geschichten zu erzählen. Was wir als Menschheit fühlen, wird immer das gleiche sein, traurige und glückliche Leidenschaften, Affekte, die uns hemmen, die uns stärken. Wie uns die Welt der Produktion und Industrie unterdrückt, diese Fragen werden immer in meinen Texten sein.

In Deutschland verbreiten manche neoliberalen Politiker ein positives Bild von Milei, sie sehen nur, dass die Inflation sinkt – nicht die Armut der Menschen.
Milei ist echt der Schlimmste. Aber er wird fallen. Die Medien verbreiten so viele Unwahrheiten, wen kümmert die Inflation, die gibt es seit zwei Jahren auf der ganzen Welt. In Argentinien hatten wir sie schon immer, aber wir haben eine Auseinandersetzung um Menschenrechte, die es an keinem anderen Ort der Welt gab, das ist wichtig.

Hast du noch eine letzte Botschaft an die Personen, die uns lesen und die dich hören?
Wir sollten uns nicht so sehr auf die Zukunft festlegen, wir müssen im Hier und Heute weitermachen, neue Formen erfinden, und nicht die Zeit damit verschwenden, so viel von Politikern und Regierungen erwarten. Die wichtigen Fragen sind andere, es geht um Solidarität zwischen uns – und darum, dass sie weiterhin meine Musik hören (lacht).


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„Ich rappe nicht nur, sondern kämpfe“

Ganzkörper Portrait des Rappers Portavoz, wie er vor einer Mauer sitzt
(Foto: Victor Varela Millanao)

Wann hast angefangen zu rappen?

Ich habe den Rap dank meines großen Bruders kennengelernt. Er hatte angefangen, die Musik zu hören, die damals im Radio und auf Kassetten lief. Ich erinnere mich an MC Hammer, Cypress Hill, die Beastie Boys oder House of Pain. All das war im Kommen und mein Bruder zeigte es mir, als ich acht oder neun Jahre alt war. Später, als ich 14 war, sind wir nach Conchalí gezogen, eine der ärmeren Kommunen von Santiago. Dort habe ich Leute kennengelernt, die Rap machten, ihre eigenen Lieder schrieben, Freestyle auf den Plazas rappten. Es war Underground-Rap. Ein paar Freunde nahmen ihre Songs in improvisierten Studios zu Hause auf und ich begann, eigene Lieder zu schreiben. So fand ich heraus, dass ich gerne einen Beat mochte, der mir sagte, was ich darauf schreiben würde. Seitdem schreibe ich so: Bei melancholischer Klaviermusik schreibe ich einen eher melancholischen Text. Wenn das Sample eher funky, partymäßig ist, schreibe ich einen fröhlicheren Text. Und natürlich war ich schon in jungen Jahren in einem politischen Hip-Hop-Kollektiv und anderen Organisationen aktiv, immer rot und schwarz, das ist meine Welt. Dort habe ich gelernt zu kämpfen, an Versammlungen teilzunehmen, zu argumentieren, meine Ideen zu verteidigen und zuzuhören. Wie ich aus einem der unteren Viertel zu kommen und zu diesen Räumen Zugang zu haben, das war unglaublich.

Wie bist du von deiner Liebe zum Rap zur Politik gekommen?

Die Politik ist aus vielen Ecken zu mir gekommen. Zuerst durch meine Familie: Mein Vater war in der Kommunistischen Jugend aktiv und wurde während der Pinochet-Diktatur als politischer Gefangener gefoltert, als er 18 und 19 Jahre alt war. Auch meine Mutter sympathisierte mit der Kommunistischen Jugend, wurde aber zum Glück nicht gefangengenommen. Beide haben mit der Zeit an ihrer Mentalität festgehalten. Das hat auf meinen Bruder und mich abgefärbt. Ich sage abgefärbt, weil es nicht durch eine direkte oder absichtliche Erziehung passiert ist. Denn natürlich war das für meine Eltern traumatisch und sie hatten Angst, uns diese schmerzhaften Dinge weiterzugeben. Weil ich als Jugendlicher sehr neugierig war, fing ich an, die Geschichte meiner Familie zu erforschen und Fragen zu stellen. Erst dann begannen sie zu erzählen. Aber meine Eltern sprachen nicht theoretisch oder akademisch über den Marxismus oder Sozialismus, man sah es mehr an ihrer Art, zu sein. Sie dachten kollektiv und standen dem Individualismus, der in diesen Jahren gelebt wurde, sehr kritisch gegenüber. In der Schule kam ich in ein politisches Kollektiv und fing auch dort an, mich zu bilden. Außerdem politisierten mich die Hip-Hop-Jugendclubs, die in der Peripherie Santiagos entstanden. Das waren Nachbarschaftszentren, in denen nicht nur Hip-Hop-Workshops angeboten wurden, mit Rap oder Graffiti, sondern auch viel über Paulo Freire gesprochen wurde, von der Bildung von unten, vom Marxismus und Anarchismus. So kam es dazu, dass viele verschiedene Künstler mein linkes Denken geformt haben.

Wann ist dir bewusst geworden, dass deine Lieder den Zahn deiner Zeit treffen?

Wir erlebten die schwierigen Jahre der Post-Diktatur und des Übergangs zur Demokratie – oder das, was man so nennen kann. Aber wann ich mich wie eine Stimme dieser Zeit gefühlt habe, weiß ich nicht… Es war nicht geplant oder beabsichtigt, sondern geschah sehr spontan und natürlich. Klar gab es Bands, die den Rap als Kommunikationstool nutzten, als Werkzeug. Sie klagten an und erzählten, was politisch im Land oder international passierte. Für mich war zum Beispiel Ana Tijoux mit der Gruppe Makiza immer ein Beispiel dafür, wie man die eigenen Leute mit Rap informieren kann. Oder auch die Musik von SubVerso, der für mich wie ein Rap-Bruder war und ganz gezielt inhaltsvolle Lieder machte. Das habe ich von ihnen gelernt. In Lateinamerika gibt es viele solcher Beispiele, in Chile zum Beispiel schon vorher die nueva canción popular. Ich denke an Víctor Jara, Inti-Illimani, Quilapayún oder Patricio Manns. Und vor ihnen internationale Musiker wie Violeta Parra oder Atahualpa Yupanqui, Daniel Viglietti oder Silvio Rodriguez. Sie alle wurden bei mir zu Hause gehört. Auch daran orientierte ich mich. Als ich aufwuchs, war Rap wichtig um zu kommunizieren, wie es ist, in den Vierteln aufzuwachsen, und wie die Menschen leben und kämpfen. Aktuell bin ich an einer musikalischen oder vielleicht auch kulturellen Front, von der aus ich etwas zur Selbstverwaltung einer sozialen und politischen Bewegung von unten beitragen möchte. Spätestens, seit ich bei Salvaje Decibel war oder als wir das Album Rap con R de Revolución produziert haben, bin ich nicht nur Rapper, sondern kämpfe auch. In diesem Prozess bin ich stark gewachsen. Wenn man anfängt, in Organisationen aktiv zu sein, wächst man wirklich. Ich habe drei Jahre lang Geschichtspädagogik studiert, aber für mich war die politische Organisation wie eine andere Universität.

Politische und persönliche Botschaften Im Juni ist der Rapper Portavoz im Kreuzberger Reset Club aufgetreten (Foto: Montecruz Foto)

Du hast vom Widerstand der Mapuche als Inhalt deiner Musik gesprochen. Wie siehst du den Stand des Konflikts im Territorium der Mapuche heute?

Meine Familie ist chilenisch und Mapuche. Ich identifiziere mich mit beidem, weil ich Mapuche bin, aber auch chilenische Verwandte aus der Arbeiterklasse habe. Und weil ich in beiden Welten mit viel Respekt aufgewachsen bin, habe ich großen Respekt sowohl für die kleinen Leute als auch für die Würde des Mapuche-Widerstands. Leider nimmt die Regierung von Boric, die oft als progressiv bezeichnet wird, viele peñis (Mapuche-Führungspersönlichkeiten, Anm. d. Red.) fest. Sie werden zu politischen Gefangenen, weil sie sich der immensen Invasion der Wälder widersetzen, die die Erde zerstört und durch die Monokulturen der Kiefern und Eukalyptusbäume kontaminiert. Es sind vor allem drei Monster aus der Forstwirtschaft, die Unternehmen Arauco, Minico und Volterra, die in Mapuche-Gebiete eindringen, sie austrocknen und den einheimischen Wald in seiner Biodiversität nach und nach verschwinden lassen. Diese drei Monster sind es, die das Modell des Extraktivismus aufrechterhalten. Meine Leute kämpfen dagegen an und verteidigen die ñuque mapu (Mutter Erde), damit unsere Kinder einmal besser leben können.

Vor einem Jahr hast du ein Album herausge­bracht, das andere Töne anschlägt. Was beschäftigt dich heute?

Das stimmt, mein letztes Album SHAKA ZOO ist anders. Ich spreche darin Dimensionen meines Lebens an, von denen ich vorher nichts erzählt habe, Dinge aus meinem Privatleben. Ich wollte, dass die Leute ein menschlicheres Bild von mir haben. Es stört mich, idealisiert zu werden. Also wollte ich mit diesem Album vermitteln, dass ich auch nur ein Mensch bin. Ich habe mein politisches Denken und bin natürlich ein politisches Subjekt, wie jede Person. Aber ich habe auch mein alltägliches Leben mit meinen Freunden, mit meiner Partnerin, meiner Familie – wie jeder andere. Jemanden zu vergöttern ist nicht gut, weder für den Hörer noch für den, der zum Idol gemacht wird. Aktuell beschäftigt mich, dass der Faschismus leider wieder auflebt. Die Art und Weise, auf die die extreme Rechte auf der ganzen Welt an Macht gewinnt, besorgt mich sehr. Bei der letzten Präsidentschaftswahl in Chile hätte fast José Antonio Kast gewonnen, ein Vertreter der extremen Rechten in Chile. Für alle, die mir nahestehen, war es unglaublich zu sehen, wie viele Stimmen dieser Faschist bekommen hat. Weil dieses Jahr wieder Wahlen sind, müssen wir uns vorbereiten und alle antifaschistischen Fronten unterstützen.

Was willst du LN-Leser*innen noch mitgeben?

Ich hoffe, dass der Faschismus hier nicht mit der gleichen Stärke auflebt, die er einmal hatte. Denn der deutsche Faschismus mit seinem ganzen Gedankengut, so rückständig, so konservativ, so beschissen, war eine Bedrohung nicht nur für Europa, sondern für die ganze Welt. Ich würde auch sagen, dass in Chile und in Lateinamerika viel dagegen angekämpft wird. Es gibt überall Antifaschisten – und Angriffe auf sie. Wir müssen uns zusammenschließen, wo auch immer wir sind.

// Max Telias*(Übersetzung: Kori Mamani Hoppe)


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TANZEN UNTER SCHMUTZIGEN STERNEN

Die seltsamste Rapperin Argentiniens, wie sich Hebe im Gespräch mit der Zeitung Clarín selbst bezeichnet, ist zurück. Sucia Estrella (schmutziger Stern) ist ein sichtlicher Bruch: War das Cover ihres letztes Albums Politicalpari (siehe LN 540) noch von punkig anmutenden Graffitis verziert, liegt die Rapperin nun dämoninnenhaft rauchend zwischen verblichenen Blumen.

Explizite Texte mit persönlicher Note über die schönsten Dinge des Lebens und Hebes kraftvolle Stimme machen das neue Album aus. Der raue Hiphop-Sound ihrer bisherigen Alben, die Anleihen von Cumbia, Reggaeton und Rock enthalten, ist harten elektronischen Klängen gewichen. Was bleibt, ist die energische Wut in Sara Hebes Stimme, auch wenn die oft von kryptischen Kürzeln bezeichneten Lieder diesmal weniger offensichtlich politische Inhalte haben. Es geht um Liebe, Sex, Feiern, Tanzen; die Texte sind persönlicher, intimer, expliziter. Sie sei einfach müde, immer das gleiche zu singen und zu sehen, wie sich doch nichts verändere, sagt Hebe im Interview mit der paraguayischen Zeitschrift Vos.

Also wehrt sie sich gegen die immer perfider wirkenden kapitalistischen Verhältnisse und die Uniformität des Musikmarktes, indem sie sich neuer Stile bedient: Trap, House, Techno oder Pop, die Sounds der jungen, aufstrebenden Musikszene Argentiniens. „Ich bin eine Marke und meine Musik ist Marketing“, rappt Hebe in „Almacén de Datos“ (Datenspeicher), gemeinsam mit der chilenischen Rapperin Ana Tijoux über einem fast erschöpft klingenden Beat. Der ständige, ermüdende Kampf um Sichtbarkeit in Playlists, auf Festivals und Konzerten verbindet die beiden kritischen Musikerinnen. In „BBY Voom“ greift sie die ihr entgegengebrachte Kritik, nun ihren eigenen Ausverkauf anzustreben, humorvoll auf: „Ich lehre euch immer noch, die Polizei zu hassen“. Mit „Yala Labaut“ geht sie zurück zu ihren Wurzeln. Der Song nimmt Bezug auf das gleichnamige Dorf in Patagonien, der Region, aus der Hebe selbst stammt. Dessen Einwohner*innen wehren sich gegen den geplanten Extraktivismus einer Minenfirma und zu ihrer Unterstützung bemüht die Rapperin dann doch wieder Demosprüche. Auch im Song „La Bronca“ (Die Wut) passt sich ihre überschlagene, Proteste hinaufbeschwörende Stimme perfekt den wild pumpenden Beats an. Dafür zeichnen insgesamt sieben Produzent*innen verantwortlich, neben ihrem Stammproduzenten Ramiro Jota etwa Río del Pari und Manu Calmet. Zusätzlich steuern neben Tijoux die argentinische Technoproduzentin Rattlesnake, DJ Sassyggirl und Sängerin The Colorated musikalische Überraschungen bei.

Eine Wiederholung würde einem Verrat gleichkommen, sagte Hebe im Interview mit dem argentinischen Radiosender Futuröck FM, und wer genau hinhört, findet zwischen den Zeilen die gleiche Haltung wie immer. Sucia Estrella ist eine Einladung zum Tanzen auf den Trümmern, unter den schmutzigen Sternen. Dazu kommt Sara Hebe nach Vorstellung ihres Albums in verschiedenen Ländern Lateinamerikas im Sommer auf Tour nach Europa.


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POETISCH POLITISCH FEIERN

Kunst gegen Rechtsruck Sara Hebe vereint Poesie mit politischer Meinung / Foto: Fotografías Emergentes

Gerade ist Ihr neues Album Politicalpari erschienen. Was möchten Sie mit diesem Titel aussagen?
Politicalpari zu machen war der Versuch, das Konzept der politischen Party neu zu erfinden. Dazu habe ich das Wort lateinamerikanisiert. Weltweit gewinnt die Rechte an Macht, dennoch entstehen viele neue Kollektive, die Partys mit politischen Inhalten veranstalten und versuchen, sich mit ihrer Kunst dem Rechtsruck entgegenzustellen. Persönlich versuche ich, Poesie zu machen und gleichzeitig eine politische Meinung zu vertreten. So entstand das Konzept der Politicalpari. Auf die Idee zu dem Titel kam ich vergangenes Jahr auf dem Fusion-Festival, als dort eine Person zu einer anderen meinte: This is a political party! Da sagte ich mir: Ja, politicalparty. Das ist, was ich machen möchte.

Sie sprechen auf Ihrem neuen Album viele verschiedene, sehr aktuelle Themen an. Welche Geschichten versuchen Sie mit Politicalpari zu erzählen? Wofür möchten Sie sensibilisieren?
Einige der Geschichten die ich erzähle, habe ich selbst erlebt. Andere habe ich zwar nicht am eigenen Leib erfahren, aber sie bewegen mich trotzdem. Es gibt manchmal „hater“, die kritisieren, dass ich über bestimmte Themen gar nicht sprechen kann. Natürlich weiß ich nicht, wie es ist, in der Haut einer Geflüchteten zu stecken. Aber die Berichte, die ich lese, bewegen mich, und darum schreibe ich darüber. Ich versuche lediglich, Lieder zu schreiben, die mir gefallen und mich einer Poesie zu nähern, die ich mag. Ich lese große Dichter, höre große Rapperinnen und versuche, Geschichten von diesem Moment in der Welt zu erzählen, der nicht der allerschlimmste ist, aber ziemlich abgefuckt.

Vor kurzem haben Sie das Video zu Ihrem Song :·: A.C.A.B veröffentlicht…
Ja, das Lied heißt :·: A.C.A.B (Cinco Puntos). Die fünf Punkte sind ein Symbol aus den Gefängnissen Lateinamerikas, der Punkt in der Mitte steht für einen Polizisten, der eingekreist ist. Die Geschichte, die das Lied erzählt, habe ich selber erlebt, als ich vor einigen Jahren auf einem Solidaritätskonzert für politische Gefangene in Galizien auftrat. Als ich dort ankam, kontrollierte mich ein Guardia Civil (spanische Militärpolizei Anm. d. Red). Er beleidigte mich und behandelte mich sehr schlecht, das habe ich in :·: A.C.A.B verarbeitet. Das Lied habe ich gemeinsam mit Sasha Satyha aufgenommen, einer großartigen argentinischen Musikerin und lesbischen trans Frau, die ich sehr bewundere. Sasha Satyha erzählt davon, was trans Personen und Migrant*innen erleben. Das Video haben wir in Constitución gedreht, wo viele Prostituierte, Trans* und Manteras (illegalisierte Straßenverkäufer*innen Anm. d. Red.) aus dem Senegal arbeiten. Wir haben uns dort viel mit deren Sprecherin, Yahaira Falcón, einer Transaktivistin, ausgetauscht. Natürlich können wir einfach nach Hause gehen, nachdem der Dreh vorbei ist, aber wir versuchen trotzdem irgendwie vor Ort zu sein und mit den Betroffenen zusammenzuarbeiten. Das Lied wurde recht bekannt in Argentinien, denn Aussagen wie „Ich würde eher abtreiben, als dass mein Kind Polizist wird“ sind ein bisschen hart (lacht). Die Zeile „los cuerpos hablan, no flotan rio arriba“ (Körper sprechen, sie treiben nicht flussaufwärts) bezieht sich auf Santiago Maldonado, der von der argentinischen Militärpolizei ermordet wurde. Der argentinische Staat versucht diese Geschichte zu vertuschen. Santiago Maldonado hat den Kampf der Indigenen in Argentinien, der Mapuche, unterstützt. Die Mapuche versuchen in Patagonien ihre Gebiete gegen Benetton und andere Firmen zu erhalten, um dort weiterhin ihre Kultur und Sprache leben zu können. Und Santiago Maldonado war dort, deswegen haben sie ihn umgebracht.

Ein weiteres Lied von Politicalpari, La Noche, ist ein Reggaetón. Oft wird dieser Musikstil ja als sehr sexistisch oder musikalisch nicht anspruchsvoll wahrgenommen und auch von links kritisiert. Diese Abwertung wiederum wird auch als klassistisch wahrgenommen – wie stehen Sie zu dieser Debatte?
Ja, es gibt viele Vorurteile, vor allem in antifaschistischen und linken Zusammenhängen. Dort wird der Reggaetón als sexistisch abgestempelt. Und der Rock? Natürlich gibt es ultra-sexistische Texte im Reggaetón, aber die gibt es auch im Rock. Im Reggaetón findet langsam ein Paradigmenwechsel statt, mittlerweile gibt es viele Frauen und trans Personen, die Reggaetón oder Trap machen, mit anderen Inhalten. Der Rock ist elitärer und kommt nicht aus den Armenvierteln und von den Rändern der Gesellschaft.

Ein großer Teil Ihrer Arbeit ist selbstverwaltet. Wie gestaltet sich das, wenn man bedenkt, dass Sie viel Musik produzieren und um die Welt touren?
Als ich begann, Musik zu machen, war das noch wesentlich leichter, weil ich nicht so viel in der Welt umhergereist bin wie heute. Da kamen Anfragen von kleinen Festivals per E-Mail oder Facebook. Heute arbeiten wir aber mit Produzentinnen in verschiedenen Ländern zusammen, weil die Anfragen sonst nicht mehr zu bewältigen wären. Zumindest in Argentinien versuche ich, das Prinzip der Selbstverwaltung aufrecht zu erhalten und so viel Arbeit wie möglich selbst zu erledigen, denn Unabhängigkeit ist für mich unbezahlbar. Wenn ich Hilfe von außen brauche, versuche ich immer mit Freundinnen und Freunden zusammenzuarbeiten, die auch politisch aktiv sind, und keine großen Unternehmen an der Produktion meiner Musik zu beteiligen. Die kennen mich aber schon und sind in der Regel eh nicht an mir interessiert! Einmal aber hat mir Nike geschrieben und angefangen, mir Schuhe zu schicken, damit ich mich auf Instagram bei ihnen bedanke. Selbstverständlich habe ich das nicht gemacht, niemals würde ich mich bei Nike öffentlich bedanken. Sie haben mir trotzdem weiter Schuhe zugeschickt, bis ich sie gebeten habe, endlich damit aufzuhören. Die großen Marken werden immer versuchen, das Widerständige aufzusaugen und zu banalisieren, so funktioniert der Kapitalismus. Trotzdem bin ich mir bewusst, dass es nichts bringt, große Unternehmen zu dämonisieren. Die nordargentinische Sängerin Suzy Qiú, die Folklore macht und eine trans Frau ist, hat etwas gesagt, was heute mein Motto ist: “Wer kann sich selbst schon außerhalb des Kapitalismus denken?” Niemand! Wir sollten aufhören, so schnell zu verurteilen, weil wir alle in diesem System stecken und uns lieber gegenseitig unterstützen.

In diesem Sinne unterstützen Sie ja auch viele soziale Bewegungen in Argentinien. Vernetzen Sie sich mit den politischen Kämpfen der Menschen an den Orten, an denen Sie Konzerte spielen?
Genau, ich singe ja nun schon seit zehn Jahren und mit der Zeit haben Menschen an immer mehr Orten meine Musik kennengelernt. Deshalb kommt es vor, dass ich auch gezielt gefragt werde, ob ich mich mit Projekten solidarisieren möchte. Im Baskenland zum Beispiel werde ich demnächst in einem von feministischen Separatistinnen besetzten Haus, das geräumt werden soll, auf einer Soliparty singen. Die Musik ist nicht nur das, wovon ich lebe, sondern auch meine Art, mich mit politischen Kämpfen zu solidarisieren. Meine Lieder bekommen ein Eigenleben, sobald sie auf die Straße treffen oder bei Demonstrationen gespielt werden. Sie bekommen einen Körper und eine Seele, und obwohl ich selbst nicht überall präsent sein kann, sind sie es.

Meinen Sie, dass Ihre eigene Identität dabei auch eine Rolle spielt, zum Beispiel in Form von Grenzen der Repräsentation bestimmter Gruppen?
Das ist eine sehr komplizierte Angelegenheit, weil jeder einzelne Mensch ja auch ein Individuum mit tausend Fehlern und Eigenheiten ist. Oft werde ich als Referenzpunkt der feministischen Musik gelesen und ich weiß nicht, was ich davon halten soll, weil ich selbst noch so viel lerne. Viele junge Menschen, Mädchen, trans Personen schreiben und produzieren Inhalte und suchen dafür Referenzpunkte. In dieser Tradition der politischen Referenzpunkte sehe ich auch meine Arbeit, weshalb es mir sehr wichtig ist, viele Lieder selbst zu produzieren und den zukünftigen Generationen politische Nachrichten mitzugeben.

Trotz der rechten Regierung Macris wird in Argentinien ein Gesetzesentwurf angenommen, der eine Frauenquote für Musikfestivals vorsieht. Inwiefern sehen Sie darin ein Beispiel dafür, dass die feministische Emanzipation nun auch die sonst so männerdominierte Musikszene erreicht?
Ich bin mir sicher, dass dieses Gesetz verabschiedet wird, weil die feministische Welle nicht mehr zu stoppen ist. Auch der Mainstream wird sich ihr beugen müssen. Durch die Abtreibungsdebatte, die noch immer intensiv geführt und aktiv vorangetrieben wird, haben die Feminismen – hier muss eigentlich immer im Plural gesprochen werden – in Argentinien viel Rückenwind bekommen. Auch Ni Una Menos und andere feministische Bewegungen sind die treibenden politischen und vor allem antifaschistischen Kräfte der Stunde. Wir brauchen sie, denn die Angriffe auf unsere Rechte und auch konkret auf homo- und transsexuelle Menschen häufen sich, nicht nur in Argentinien, sondern auch hier in Deutschland und überall sonst auf der Welt.

Was wünschen Sie sich für die politische Zukunft Argentiniens, vor allem mit Blick auf die Präsidentschaftswahlen Ende dieses Jahres?
Macris Regierung mit all ihren Technokraten und Millionären ist die schlimmste Regierung seit mehr als zwanzig Jahren. Aber ich setze viel Hoffnung in die Jugend und darauf, dass sie sich nicht nur in Argentinien, sondern in ganz Lateinamerika in die Politik einmischt. Ofelia Fernández (könnte bei diesen Wahlen mit 19 Jahren die jüngste Abgeordnete der Stadt Buenos Aires werden, Anm. d. Red.) ist mit ihren politischen Diskursen und ihrem Engagement in den Schulbesetzungen in Argentinien ein gutes Beispiel dafür, denn sie setzt sich dafür ein, dass die Bildung in Argentinien nicht privatisiert wird, so wie es die Regierung gerne hätte. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Menschen wie Ofelia Fernández, die ihre Überzeugungen vertreten und auch in die Politik gehen, damit all die Alten, die sich an ihre Macht klammern, endlich verschwinden.

 


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„WIR WOLLEN GEHÖRT WERDEN“

Somos Guerreras Rebeca Lane, Audry Funk und Nakury (von links nach rechts) // Foto: Promo Somos Guerreras

Wie haben Sie zusammen gefunden? Gab es einen bestimmten Anlass?
Rebeca: Nakury habe ich in Nicaragua kennen gelernt, beim Festival Hall of Femme (Anm. d. Red.: ein internationales Festival für weiblichen Hip-Hop, das 2015 stattfand). Dort haben wir beide Workshops gegeben und an Gesprächsrunden teilgenommen. Wir haben gemerkt, dass es innerhalb der weiblichen Hip-Hop Szene in der Region nicht viele solcher Räume des Austauschs gab. Innerhalb der Kunst konnten wir uns austauschen.
Wir bringen viele Erfahrungen mit, die wir mit den Jüngeren teilen können. Als wir anfingen zu anderen Festivals zu fahren, entwickelte sich eine kleine Tournee daraus und in Mexiko haben wir dann Audry kennen gelernt. 2016 starteten wir eine Tour als Somos Guerreras in Panama und beendeten sie in Tijuana. Bei dieser Gelegenheit haben wir rund 90 Interviews mit Frauen in der Hip-Hop Szene in ganz Mittelamerika und Mexiko geführt. Der Fokus der Interviews lag darin, zu fragen, was es bedeutet eine Frau in Mittelamerika zu sein und was es für sie bedeutet, Teil der Hip-Hop Gemeinschaft zu sein.

Begreifen Sie sich in diesem Zusammenhang als Vorbilder, beispielsweise in Ihrer Arbeit mit Jugendlichen?
Rebeca: Seit wir auf Tour sind, erhalten wir sehr viele Nachrichten von jüngeren Frauen aus der heimischen Hip-Hop Szene, die sich bedanken, weil sie uns gesehen haben und ihren Traum dadurch weiterverfolgen. Das ermutigt viele und sie wissen, wenn sie sich anstrengen, können sie etwas erreichen. Gerade weil die Lebensentwürfe, die uns als Frauen in Mittelamerika angeboten werden, sehr limitiert sind. Nicht zu unterschätzen ist auch die Kraft, die ein bestimmtes Lied im Alltag haben kann und jemanden glücklich macht oder dabei hilft, eine bestimmte Entscheidung zu treffen. Wir bekommen Nachrichten von Personen, die uns schreiben, dass unsere Musik sie dabei unterstützt hat, eine gewalttätige Beziehung zu beenden.

Audry: Mich beeindrucken die Besucherinnen unserer Konzerte, die im Alter meiner Mutter sind. Für mich ist das sehr motivierend, wenn Frauen, die ihr ganzes Leben lang machismo erlebt haben, sich mit uns solidarisieren.

Wenn wir über Feminismus sprechen: welche Bedeutung haben die großen feministischen Bewegungen, z.B. in Argentinien, in Mittelamerika?
Nakury: Im Moment gibt es in Costa Rica eine große Bewegung zur Änderung der Regelungen zur Abtreibung. Diese soll den Frauen in Costa Rica endlich ermöglichen, sicher und kostenlos abtreiben zu können. Es gibt eine starke Frauenbewegung, die in letzter Zeit sehr gewachsen ist. Interessanterweise bleibt es auf Costa Rica beschränkt, dass die Unterstützung durch die feministische Bewegung auch trans Personen mit einschließt. Das ist sehr wertvoll und widerspricht dem, was in anderen Ländern der Region passiert, wo sich alle voneinander abgrenzen. Letztendlich sind Argentinien und Chile sehr präsent, was die feministische Bewegung angeht. Aber es ist ein großes Ganzes und die compañeras können durch ihre jahrelangen Erfahrungen einen Weg aufzeigen. Gleichzeitig haben sie jedoch in ihren Ländern eine bessere Infrastruktur. Wir hingegen arbeiten mit dem, was wir vorfinden. Es gibt keine staatlichen Stellen, keine Strukturen und keine Institutionen, die uns unterstützen und trotzdem organisiert sich die Bewegung.

Rebeca: Der Feminismus ist zu oft nur in den großen urbanen Zentren präsent. Außerdem ist der Rest Mittelamerikas in dieser Beziehung sehr rückständig. Zum Beispiel herrscht in Nicaragua und El Salvador ein absolutes Abtreibungsverbot. In El Salvador sind einige Frauen in Haft, weil sie abgetrieben haben. In Guatemala ist Sexualkundeunterricht verboten, in Honduras die Pille danach. Es ist ein sehr entmutigendes Panorama in diesen Ländern, in denen es keine wirkliche sexuelle Aufklärung oder Zugang zu legaler und kostenloser Abtreibung gibt. Dazu kommt, dass es für uns als Feministinnen riskant ist, in diesen Ländern darüber zu sprechen. Wir leben in Ländern mit totalitären Regierungen und einer absoluten Repression der feministischen Bewegung. Deswegen ist die Bewegung in Mittelamerika nicht so bekannt und so breit aufgestellt wie in anderen Regionen. Es ist sehr viel komplizierter, eine Bewegung in einer Diktatur oder in einem totalitären Regime zu organisieren.
Es ist auffällig, dass die großen Bewegungen wie die Grüne Flut (marea verde) in Argentinien bei uns großen Zuspruch erfahren, wir aber dort kaum zu Wort kommen. Das betrifft nicht nur den Feminismus, sondern ist ein generelles Problem. Mittelamerika wird übersehen und es wird nicht gefragt, wie unsere Haltung und unsere Forderungen sind. Viele ignorieren die Umstände, denen wir ausgesetzt sind.

Nakury: Abschließend muss auch erwähnt werden, dass die staatliche Repression Hand in Hand mit dem kapitalistischen System der Großkonzerne geht und diese letztendlich von der gesellschaftlichen Gewalt profitieren. Für diese Gruppen ist der Feminismus gefährlich. Deswegen ist es so wichtig, über Ländergrenzen hinaus zu gehen und gegen den Patriotismus zu kämpfen.

Was sind in Ihren Augen die drängendsten Veränderungen im Zusammenleben der Geschlechter?
Audry: Das wirklich Dringliche ist, dass die Länder der Region tatsächlich säkularisiert werden. Die katholische Kirche hat einen großen Einfluss, aber auch die Pfingstkirchen und die Evangelikalen. Das stellt eine große Gefahr da.

Rebeca: Ich bin in Guatemala Teil einer Kampagne, die heißt „Mädchen und keine Mütter“ (Niñas, no madres). Dort gab es alleine letztes Jahr 90.000 Schwangerschaften, von Mädchen zwischen zehn und 19 Jahren. Ein Großteil dieser Schwangerschaften entstehen aus familiären Missbrauchsfällen. Das markiert auch einen großen Unterschied innerhalb des lateinamerikanischen Feminismus. Wir befinden uns in einem Überlebenskampf. Der Umstand, dass 90.000 Mädchen gezwungen werden, ein Kind auszutragen, das aus einem Missbrauch in der eigenen Familie entstanden ist, spricht für sich. Erstens verhindern stark katholisch geprägte Staaten öffentlichen Aufklärungsunterricht. Sie sagen, dass Aufklärung innerhalb der Familien stattfinden müsse. Aber dort findet auch Missbrauch statt. Dort wird Machoverhalten als Norm wahrgenommen. Es gibt verschiedene staatliche Maßnahmen dagegen (z.B. das Gesetz gegen Femizid in Guatemala), die aber zu kurz greifen, da sie unterfinanziert sind.

Nakury: Oftmals sind die Frauen, die in einer Gewaltbeziehung leben, nicht in der Lage sich aus dieser Situation zu befreien. Es ist wichtig, dass es sichere Räume für uns gibt. Ich bin Überlebende einer Familie, in der es extrem viel Gewalt gab und weiß, dass es nicht reicht, einer Frau zu sagen, dass sie aus dem Gewaltkontext ausbrechen muss. Wir müssen als feministische Bewegung Räume herstellen, in denen wir neu erlernen, wie wir miteinander in Beziehung treten.

In Ihren Texten geht es oft um Körper. Zum Beispiel sprechen Sie in dem Lied „Sacúdete“ von Schönheitsidealen, von weiblichen Körperbildern, die durchbrochen werden. Wie kamen Sie auf die Idee für den Song?
Audry: Ich persönlich entsprach nie dem Prototyp einer mexikanischen Frau. Es war eine prägende Körpererfahrung, die bis zum Schmerz ging, mich dem Ideal unterzuordnen. Furchtbare Diäten einzuhalten, wie verrückt zu trainieren, um einer Gruppe von Menschen zu gefallen. Ich glaube es ist sehr heftig, etwas an deinem Körper aus Ablehnung heraus zu ändern. Ich denke, sobald du all diese Stereotypen abschüttelst, wirst du eine vollkommenere Frau. Ich gehe zum Beispiel selbstbewusster aus dem Haus, es fällt mir leichter hautenge Sachen zu tragen und ich gehe nicht mehr zwei Stunden täglich ins Fitnessstudio, da ich mich nicht mehr quälen will, damit andere mich mögen. Es ist revolutionär zu denken, dass ein andersartiger Körper ein wunderschöner Körper sein kann. Ein Wesen außerhalb der Norm zu sein, hat auch etwas Bestärkendes: unsere Hüften zu preisen, das Melanin unserer Haut, unsere Augen und Haare. Wir sind nicht exotisch, wir sind Teil der Menschheit und verdienen es, uns selbst zu lieben.

Rebeca: Worüber wir auch in unseren Songs reden, ist die Kolonialisierung der Körper. In unseren kolonial geprägten Ländern haben Körper nicht nur mit Begehren zu tun, sondern sind auch Machtinstrumente. Es gibt eine koloniale Form der Gewalt, die in diesem Kontext sichtbar wird und diejenigen, die nicht ins Bild passen, werden auf vielfältige Weise benachteiligt. Das betrifft die Menschen mit afrikanischen und indigenen Wurzeln. Das alles hatten wir bei Sacúdete im Hinterkopf. Wenn wir weibliche Körper durchdringen, hat das immer mit kolonialer, patriarchaler und machistischer Gewalt zu tun.

Wie sehen Ihre Pläne für die Zukunft aus?
Rebeca: Jede hat neben Somos Guerreras auch eigene Projekte und wir werden uns alle drei mit der Aufnahme neuer Alben beschäftigen. Wir haben viel aufgenommen auf dieser Tournee und wollen daraus zu Hause etwas machen. Und sehr bald werden Tutorials veröffentlicht, die Nakury und ich in Zusammenarbeit mit der Uni Bielefeld gemacht haben. Dabei geht es um den Umgang mit Seximus und um nicht sexistische Erziehung. Der Rap in den Videoclips dient als Instrument, das in der Schule oder privat eingesetzt werden kann.


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DIESE WELT IST EIN HUNGRIGER MENSCH

Foto: Hebe im Cassiopeia am 22.07.2019
Politicalpari, das neue Album der argentinischen Rapperin Sara Hebe ist als empowernder Soundtrack eine Kampfansage an die Welt der alten, sich an ihre Macht klammernden Männer.
Das vierte Album der Künstlerin verschmilzt Reggaeton-Slang und Politik zu einer Party in zwölf Tracks. Das Album ist ein Aufruf zur Organisation, zur Kollektivbildung gegen die Vereinzelung und das Gefühl des Verlorenseins. „Ich möchte diesen Planeten verlassen, aber ertrage ihn weiter. Etwas muss geschehen, damit er sich ändert, diese Welt ist ein hungriger Mensch“ singt Hebe in „Urgente“ („Dringend“) um dann in „Rayan“ Kritik an der Sicherheitsgesellschaft in die Liebeserklärung an eine Stewardess zu verpacken und nebenbei das Recht auf Bewegungsfreiheit für alle Menschen einzufordern.


Seit Beginn ihrer Laufbahn bedient sich Sara Hebe Elementen verschiedener Stile

Seit über zehn Jahren ist Sara Hebe Teil der Hip-Hop-Landschaft in Argentinien. 2009 veröffentlichte die aus dem patagonischen Chubut stammende Sängerin ihr erstes, selbst produziertes Album La hija del loco („Die Tochter des Verrückten“), welche bereits einige ihrer bekannten Lieder, wie Tuve que quemar („Es musste brennen“) enthält. Die früheren Songs waren noch auf im Internet gefundenen Tracks gerappt. Seit dem zweiten Album Puentera zeichnet sich ihr Sidekick Ramiro Jota, Beatmaker und Produzent, der gelegentlich auch an Gitarre und Bass unterstützt, für die musikalische Basis verantwortlich. Gemeinsam mit dem Schlagzeuger und Perkussionist, Edu Morote, begleitet er Hebe wieder auf der aktuellen Tour.
Seit Beginn ihrer Laufbahn bedient sich Sara Hebe Elementen verschiedener Stile. Mit Leichtigkeit findet sie dabei eine den Inhalten angemessene musikalische Form: so beschwört ein antifaschistischer Cumbia eine soziale Bewegung namens El Deseo („Der Wunsch“) herauf. Im Reaggeton La noche („Die Nacht“) wird, gemeinsam mit der paraguayischen Sängerin Mi$$il, der Nacht und der in ihr zelebrierten Feste gehuldigt. Ignatia, ein rotzig-elektronischer Punkrocksong erinnert an eine gescheiterte Beziehung.
Sara Hebes Verse, von auf an Wände gesprayten Sprüchen und auf Demos skandierten Parolen inspiriert, finden wiederum den Weg zurück auf die Straße, beispielsweise auf Banner feministischer Großdemos. Sie besucht Orte sozialer Kämpfe, um mit dem Aktivist*innen und Betroffenen ins Gespräch zu kommen und sie zu unterstützen.
ACAB (Cinco puntos) beinhaltet einen der stärksten, eindrücklichsten Verse des Albums: „Niemand begeht Selbstmord in einer Polizeistation, ich würde eher abtreiben, als einen Sohn zu haben, der Polizist wird.“ Die Wut erklärt sich aus den selbst erfahrenen Demütigungen und den von der Polizei getöteten Freund*innen. Auch findet sich eine Anspielung auf den Aktivisten Santiago Maldonado, der im August 2017 während Protesten im Mapuche-Gebiet gewaltsam verschwunden gelassen worden war. Ein Teil des Songs steuert die queere Rapperin Sasha Sathya bei, die ebenfalls auf einen reichen Erfahrungsschatz schlechter Erlebnisse mit der Ordnungsmacht zurückgreifen kann.
Das Album erscheint beim katalanischen Label Propaganda Pel Fet und wurde vorab frei zugänglich auf Youtube veröffentlicht. Politicalpari schließt über den trashig angehauchten Dancehalltrack MMQTF, mit No te dejes („Hör nicht auf“) – ein letzter Aufschrei gegen die Resignation, auch wenn alles den Bach runtergeht.


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„DIE FRAUEN LASSEN SICH NICHT MEHR ZUM SCHWEIGEN BRINGEN“

Mariana Yegros: Die argentinische Sängerin befindet sich gerade auf Europatournee // Foto: Guilhem Canal

Im März haben Sie Ihr neues Album Suelta herausgebracht. Können Sie uns etwas zu Ihrem neuen Album erzählen und zu dem Prozess, aus dem heraus es entstanden ist?
Ich habe zwei Jahre lang an dem Album gearbeitet, gemeinsam mit unserem gewohnten Produzenten King Coya. Unterstützt wurden wir dabei von Jori Collignon von der niederländischen Band Skip & Die sowie von Eduardo Cabra von Calle 13. Cabra ist ein großartiger Musiker, ich bewundere ihn sehr und hatte große Lust, mit ihm zusammenzuarbeiten. Die Lieder komponiere ich gemeinsam mit Daniel Martin und King Coya. Diesmal gibt es auch mehr von mir komponierte Lieder.

Ihr Stil ist als Digital Cumbia bekannt. Repräsentiert diese Bezeichnung die Vielfalt Ihrer Musik?
Digital Cumbia? Nein, überhaupt nicht! Das bringt mich immer zum Lachen. Ich werde auch die Königin des Nu Cumbia genannt. Ich erwidere darauf immer, dass es in meiner ganzen Discographie nur eine Cumbia gibt, nämlich „Viene de mi“. Meine Musik basiert auf anderen lateinamerikanischen Rhythmen, dem Chamamé, dem Carnavalito, der Saya, dem Rap. Es gibt gibt vielfältige Einflüsse in jedem Lied. Die Cumbia ist eine davon, aber nicht alles. Das neue Album enthält nicht eine Cumbia, es ist verrückt, dass mich die Leute darüber definieren. Wahrscheinlich, da „Viene de mi“ mein bekanntestes Lied ist. Nicht einmal „Linda la Cumbia“ ist eine Cumbia, ich habe es so genannt, um zu sehen, wer wirklich zuhört und wer Ahnung von Cumbia hat.

Manche bezeichnen Sie als Repräsentantin der weiblichen Cumbia und nennen Sie Königin der Cumbia, weil Sie eine Frau sind, der es gelang, in einer überwiegend von Männern dominierten Musikszene erfolgreich zu sein. Wie fühlen Sie sich in dieser Rolle? Glauben Sie, dass diese Betonung von Ihrer Musik ablenkt?
Nein, ich empfinde das nicht so. Es stimmt, dass vor allem in Argentinien, wo 2013 mein erstes Album erschien, nicht viele Sängerinnen bekannt waren. Dennoch habe ich das Gefühl, dass der Kern dieser Bezeichung eher mit der Cumbia selbst zu tun hat und weniger damit, dass ich eine Frau bin. Ich sage dazu, dass ich die Königin der NO Cumbia und nicht die der Nu Cumbia bin. Dass sie mich Königin nennen, finde ich ganz lustig.

Können Sie kurz erklären, woher die Idee kam, Folklore und elektronische Musik zu verbinden?
Meine Verbindung zur Folklore kommt von meinen Eltern. Mein Vater hörte viel Chamamé, meine Mutter Cumbia. Ich wuchs mit dieser Art von Musik auf, sie lief in den Barrios, wo die Arbeiter diese Lieder hörten. Meine Eltern kommen aus Misiones, an der Grenze zu Brasilien und Paraguay, und sind mit zwanzig Jahren auf der Suche nach Arbeit nach Buenos Aires gezogen. Dort wurde ich geboren, hatte also schon immer Kontakt mit den Traditionen, den Wurzeln meiner Eltern. In der Hauptstadt kam ich später in Kontakt zu modernen Klängen, daraus ergab sich die Frage, wie meine Wurzeln, die Folklore, mit diesen urbanen Klängen verknüpft werden können. King Coya ist da ein Spezialist und wichtiger Referent in Argentinien. Seit 30 Jahren mischt er elektronische Musik mit Folklore, er war einer der ersten, der das gemacht hat. Es ist ein großes Glück, mit ihm zusammenzuarbeiten. King Coya kümmert sich jetzt um die musikalische Produktion, er begleitet uns auch auf der Tour und hört von außen zu. Daraus entsteht eine Homogenität, eine natürliche Harmonie zwischen der Folklore und der elektronischen Musik.

Was möchten Sie mit dieser Mischung vermitteln?
Eine der wichtigsten Botschaften ist, unsere Musik zu unterstützen, sie aus unserem Land zu tragen, damit die Leute sie kennenlernen. Der Chamamé ist zum Beispiel ein wenig bekannter Rhythmus. Ich erkläre manchmal, wie man ihn tanzt, wie er klingt, wovon er handelt. Es ist sehr melancholische Musik, es geht um die verstorbene Mutter, um die verlorene Liebe, sehr traurig und gleichzeitig sehr tanzbar. Das hat auch mit meinen Wurzeln zu tun, mein Vater zum Beispiel ist sehr melancholisch. Wir haben diese Wesensart in Argentinien, der Tango zum Beispiel zeugt von totaler Zerrissenheit, damit identifizieren wir uns sehr. Mir ist wichtig, einen kleinen Beitrag dazu zu leisten, dass auch junge Leute ihren Zugang zur Folklore finden, sie tanzen und als etwas eigenes empfinden können. Wenn du nur einen Chamamé hörst, sagst du, ach nein, das ist Musik, die mein Großvater mag, aber wenn es mit für jungen Menschen vertrauten Klängen gemischt ist, führt es dazu, dass unsere Musik erhalten bleibt, und damit unsere Tradition.

Sie haben damit begonnen, musikalische Einflüsse aus dem Nordwesten Argentiniens und andiner Musik in der Provinz Buenos Aires zu singen. Jetzt tragen Sie diese musikalischen Traditionen auf andere Kontinente, wo das Publikum sie in einer vollkommen anderen Umgebung hört. Bemerken Sie einen unterschiedlichen Effekt, den Ihre Musik an den verschiedenen Orten, an denen Sie auftreten, auslöst?
Für mich ist sogar jede Stadt eine eigene Welt. Jedes Mal, wenn wir spielen, bemerken wir einen Unterschied. In Frankreich zum Beispiel, wo wir sehr oft auftreten, erkennen wir die Unterschiede im Publikum: In der Bretagne etwa sind die Leute sehr leidenschaftlich und wenn sie dich mögen, drehen sie durch. In Deutschland haben wir eines unserer ersten Konzerte 2013 in einem kleinen Ort gespielt. Wir waren das erste Mal in Europa, niemand kannte unsere Lieder, und Deutschland hat mit unserer Musik nicht viel zu tun. Aber die Leute sind durchgedreht und haben zu getanzt, und uns zum Tanzen aufgefordert. Es passieren manchmal so verrückte Dinge an unerwarteten Orten. Es sind immer wieder Überraschungen. Man kann nicht sagen, dass es dieses eine Land gibt, was dieses und jenes vermittelt, es hängt vom Moment ab, von der Situation.

In Ihrem Lied „Sube la presión“ singen Sie „Me enteré que el arte no sólo es belleza” („Ich habe gelernt, dass Kunst nicht nur Schönheit ist“). Was kann Kunst sonst noch alles sein?
Das Lied ist von Daniel Martín, er hat es geschrieben und dabei an mich gedacht. In allen Liedern, die er für mich macht, versetzt er sich in mich und in meine Geschichte hinein. Deswegen beginnt das Lied mit den Zeilen „Yo soy mujer, hijita de la calle“ („Ich bin eine Frau, eine Tochter der Straße“). Es handelt davon, aus einer Gegend zu sein, in der man Kinder barfuß die Straßen entlanglaufen sehen kann, die nichts zu essen haben. Und plötzlich fliegt man um die Welt und kann überall Sushi essen gehen. Ich hatte das Glück, zu reisen und viele unterschiedliche Orte kennenlernen zu dürfen. So bekommt man einen globalen Blick auf die Welt und merkt, dass einige Menschen Hunger haben, während es anderen gut geht. In dem Vers „Ich habe gemerkt, dass Kunst nicht nur Schönheit ist“ findet sich das wieder, einerseits das Glück, durch meine Musik reisen zu dürfen und Orte außerhalb Argentiniens kennenzulernen. Andererseits bedeutet es, seine Koffer zu verlieren, mal zu spät zu kommen, wenig zu schlafen… Man muss viel arbeiten und opfern, um eine Show von neunzig Minuten zu ermöglichen, selbst wenn man darauf mal keine Lust hat. Diese Seite des Künstlerseins ist eben nicht nur schön.

Auf deinem Album findet sich auch das Lied „Tenemos voz“, eine feministische Hymne, die von der Stärke der Frauen handelt. Die feministische Bewegung in Argentinien hat jüngst viel Sichtbarkeit erlangt, und immer mehr Fälle von sexuellem Missbrauch und sogar Vergewaltigungen durch zahlreiche argentinische Musiker kommen plötzlich ans Licht. Auch ein ehemaliger Musiker von Ihnen ist angeschuldigt worden, missbräuchlich und gewalttätig gewesen zu sein. Wir sind uns bewusst, dass Sie als Sängerin nicht die Verantwortung für die Taten der Männer tragen, die mit Ihnen zusammenarbeiten. Wie gehen Sie mit dieser Entwicklung um?
Dieses Thema ist für mich, so wie für die meisten anderen Frauen wahrscheinlich auch, sehr wichtig. In Argentinien und Lateinamerika insgesamt gab es in letzter Zeit plötzlich eine große Revolution, würde ich sagen. Die Frauen lassen sich jetzt nicht mehr zum Schweigen bringen. In Argentinien stirbt jeden Tag eine Frau durch Übergriffe, Missbrauch oder Vergewaltigung, und das macht mich sehr betroffen. Natürlich bin ich mit so etwas nicht einverstanden. Wenn ich zum Beispiel vom Ausland aus sehe, dass es am 8. März in Argentinien Demonstrationen gibt, wäre ich sehr gerne dabei. „Tenemos voz“ ist meine Art und Weise, zu der Bewegung aus der Distanz etwas beizutragen. Deswegen habe ich mit Soom T zusammengearbeitet, einer schottischen Sängerin mit indischem Ursprung, einer sehr starken Stimme, die außerdem politisch und sozial sehr aktiv ist. Es war mir wichtig, dass sie dabei ist. „Tenemos voz“ ist eine Hymne, die die Nachricht verbreiten soll, dass wir nicht mehr schweigen werden und eine Stimme haben. In Bezug auf die Anschuldigung gegen einen meiner ehemaligen Musiker: Leider kann man nicht mit Sicherheit feststellen, ob diese wahr sind oder nicht. Es wurde ein rechtliches Verfahren mit Anwälten begonnen, die sich dem Thema angenommen haben. Weil mein Name in diesem Zusammenhang gefallen ist, habe ich beschlossen, nicht weiter mit dem angeschuldigten Musiker zu arbeiten, bis der Fall geklärt ist und es Beweise für seine Unschuld gibt. Oft beschuldigen Menschen andere und können dann nicht beweisen, dass wahr ist, was sie sagen.

Es ist auch oft der Fall, dass Frauen nicht geglaubt wird, obwohl die Beweislage erdrückend ist, oder dass es eine Zumutung oder manchmal sogar unmöglich ist, Beweise vorzulegen.
Ja natürlich, das stimmt. Weil ich ja nicht dabei war, kann ich es nicht wissen und mir keine Meinung bilden. Er soll sein Problem lösen, und solange die Anschuldigung besteht, möchte ich nicht, dass er mit der Band in Verbindung gebracht wird. Wenn es wirklich stimmt, was gegen diesen Musiker gesagt wird, bin ich selbstverständlich nicht damit einverstanden. Sollte die Frau irgendwann aussagen, dass sie gelogen hat, ändere ich meine Meinung, aber sonst nicht.

 


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LAUT GEGEN DAS SCHWEIGEN

Im Weltraum schwebende Babykatzenköpfe, ein regenbogenfarbenes Bällebad und die Virgen de Guadalupe auf einem Baseballcap – schon die äußere Gestaltung von Rebeca Lanes drittem Soloalbum Alma Mestiza spiegelt die Heterogenität der CD wider. Mit einer Mischung aus Old-School-Hip-Hop, Reggae-Rhythmen, jazzigen Klaviersamples und Cumbia nähert sich die Rapperin mit viel Lust und Mut politischen Themen einer großen Spannweite an. Auch wenn die Texte selten so bonbonbunt und grell wie das Cover sind, steht doch auch immer wieder der Spaß im Fokus, auch an der Rebellion. Selbst schon lange Aktivistin, weiß sie dabei auch sehr genau, wovon sie spricht.

Bis vor fünf Jahren organisierte Rebeca Lane noch selbst Musikveranstaltungen und begann dann eher zufällig ihre Karriere als aktive Rapperin, nachdem sie gebeten wurde, etwas Bühnenzeit zu füllen. Mittlerweile ist sie längst über die Grenzen Guatemalas bekannt und tourt dieses Jahr auch durch Spanien und Deutschland (siehe unten). Als Mitbegründerin der Initiative „Somos Guerreras“ („Wir sind Kriegerinnen“) reiste sie 2016 durch Mittelamerika und versuchte, Frauen* mit Hip-Hop und Breakdance zu empowern.

Praktischer Feminismus ist auch auf Alma Mestiza ein großes Thema. Ob im Song „Este cuerpo es mío“ oder in „Ni encerradas, ni con miedos“ pendeln die Texte dabei zwischen einer Einfühlung in von Geschlechtergewalt Betroffenen und einer Anklage und Kampfansage an die machistischen und patriarchalen Gesellschafts­strukturen. Rebeca Lane benennt die strukturelle Geschlechtergewalt in Guatemala, einem der Länder mit der höchsten Anzahl von Feminiziden und Gewalt an Frauen*, und ermutigt gleichzeitig Frauen* aus der Isolation und gewaltvollen Beziehungen auszubrechen. Aber auch die Lust am Leben und sich selbst feiern kommen nicht zu kurz, wie „Libre, atrevida y loca“, einer der tanzbarsten Songs des Albums, zeigt.

Ein weiteres großes Thema von Alma Mestiza ist die fehlende Geschichtsaufarbeitung Guatemalas. Zwanzig Jahre nach dem Ende des 36 Jahre währenden Bürgerkriegs läuft die Aufklärung der vor allem an Teilen der indigenen Bevölkerung verübten Massaker nur langsam an. Statt einer Erinnerungskultur gibt es eine des Totschweigens. Dieser setzt Rebeca Lane eine laute Stimme entgegen, ruft die Namen von Verschwundenen in Erinnerung und prangert den gesellschaftlichen Rassismus an.

In diesem Zusammenhang stellt sie auch ihre eigene Identität und das Konzept von Identität im Allgemeinen zur Disposition. Als mestiza, wie sie sich selbst nennt, reflektiert sie zum Beispiel im titelgebenden Track *Alma Mestiza* einerseits das Erbe der Kolonisatoren, das sie notgedrungen in sich trägt und feiert andererseits die Mythologie und Kultur der Maya als etwas sehr Gegenwärtiges. Damit setzt Rebeca Lane auch einen klaren Kontrapunkt zum rassistischen Diskurs, in dem die „mestizische Mehrheitsgesellschaft“ indigene Kultur vielleicht folkloristisch feiert und historisiert, die Indigenen selbst aber an den Rand gedrängt werden.

Zwar könnte es manchmal ein bisschen weniger Reggaerythmen und Loungegedudel sein, doch machen die starken Texte und die klare Botschaft auch diesen Wermutstropfen wieder wett. Und mit ihrer musikalischen Offenheit ist Rebeca Lane, die im Übrigen fabelhaft rappen kann, vielleicht auch leichter für Menschen zugänglich, die Hip-Hop nicht zu ihrer Lieblings­musik zählen.

 


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„FRAUENSTIMMEN STEHEN IM VORDERGRUND“

Sie sind gerade auf Europatournee. Welche Nachricht möchten Sie mit Ihrer Musik transportieren, was möchten Sie hier bewirken?
Was mich antreibt, ist die Idee der Vernetzung zwischen Menschen aus verschiedenen Ländern. Berlin als Stadt der Multikulturalität ist dabei eine meiner Lieblingsstädte. Ich habe das Gefühl, dass ein Großteil der Jugendlichen in Berlin Offenheit für Dinge zeigt, die nicht dem Mainstream entsprechen, vor allem auch in der Musik. Dies wird allein durch die Tatsache sichtbar, dass in Berlin so viele Menschen neben Englisch auch Spanisch lernen. Mit meiner Musik erzähle ich Geschichten darüber, was ich persönlich erlebt habe, aber auch welche gemeinsame Vergangenheit ganz Südamerika verbindet und prägt. Oft ist das, was von „latino“-Musik in Europa ankommt, geprägt von Künstler*innen ohne besonderes Erkennungsmerkmal und von einem bestimmten Rhythmus, trivialen Texten und einem Publikum, das nur tanzen will. Mehr nicht. Ich suche eine andere Verbindung, meine Texte haben eine Aussage. Aus Lateinamerika kommt eine kraftvolle Kunst, die mehr ist als die Trivialität des Tanzes und es gibt viele Gruppen, die mit der gleichen Intention Musik machen, wie ich es tue. Das sollen Menschen in Europa und auf der ganzen Welt wissen und spüren.

Ist es ein politisches Statement, dass Sie nie auf Englisch singen?
Nein nein, ich würde sogar gerne auf Englisch singen und habe auch schon einige Texte auf Englisch geschrieben. Nur bin ich ziemlich perfektionistisch. Wenn ich etwas schreibe oder übersetze, möchte ich, dass es so nah wie möglich an die Aussagen im Spanischen herankommt und das ist ziemlich schwierig mit meinen Texten.

Wenn Sie betonen, „latino“ zu sein, persönlich wie auch politisch, wie ist es dann für Sie, in New York zu leben? Wie gehen Sie damit um, an einem Ort zu leben, von welchem so viel Ungerechtigkeit gegenüber Puerto Rico ausgeht, so viel Rassismus gegenüber Menschen aus Lateinamerika geschürt wird?
Zunächst einmal lebe ich ja nicht nur in New York, sondern auch in Argentinien und vor allem in Puerto Rico. Doch es ist spektakulär, in diesen Zeiten in New York zu sein. Aus Armut und Unsicherheit entstehen soziale Bewegungen, täglich gibt es Demonstrationen und Migrant*innen organisieren sich. Das alles gab es schon vorher, aber jetzt werden diese Bewegungen sichtbarer. New York ist eine multikulturelle Stadt, voll von Menschen aus Puerto Rico, Mexiko, generell „latinxs“ und natürlich auch Menschen aus Europa, Afrika, von überall her. Und alle sind gegen die Republikaner, gegen Trump. Diese Tendenz ist spürbar und wirkt sich besonders auch auf die Kunst aus, nicht nur auf die Musik, ich spreche auch von Theater oder Film. In Spanien zum Beispiel wurde durch die „Bewegung des 15. Mai“ (Protestbewegung in Spanien in den Jahren 2011/2012 gegen die sozialen, wirtschaftlichen und politischen Missständen aufgrund der Finanzkrise, Anm. d. Red.) die Schaffenskraft der Kunstszene unglaublich angefacht und ich glaube, Ähnliches passiert auch gerade in New York oder in Berlin.

In Lateinamerika beobachten wir gerade eher einen allgemeinen Rechtsruck innerhalb der Regierungen. Besonders kompliziert scheint die Situation in Venezuela. Welche Perspektiven und Chancen sehen Sie momentan für den Subkontinent?
In Bezug auf die rechten Regierungen habe ich das Gefühl, dass es da einen ständigen Wechsel gibt. Eine Zeit lang regieren Linke, dann gewinnen wieder Rechte, dann werden die Menschen müde von der Rechten und wählen wieder die Linke. Oder die Rechte benutzt Gewalt und die Linke (in Anführungszeichen) praktiziert ebenfalls Schwachsinn. Jedenfalls habe ich das Gefühl, dass gerade ein größeres politisches Verständnis entsteht, dass nicht nur Politiker*innen unsere politischen Ideale prägen, sondern viele junge linke Menschen kritisch sind gegenüber ihren eigenen linken Regierungen. Vielleicht gibt es ein ähnliches Phänomen sogar auch innerhalb der Rechten. Früher habe ich diese Art von Selbstreflexion nicht so stark wahrgenommen und heute kann es uns vielleicht zu interessanten politischen Alternativen führen.

Um auf Ihr neues Album zu sprechen zu kommen: In DNA eröffnen Sie globale Perspektiven, und behandeln Themen, die Menschen auf der ganzen Welt, nicht nur explizit in Südamerika, berühren. Zum Beispiel in dem Lied „Guerra“ („Krieg“), das Sie in Armenien aufgenommen haben. Was haben Sie von den Realitäten und Kämpfen von Menschen in anderen Regionen gelernt, was nehmen Sie daraus mit nach Puerto Rico?
Mehr als Dinge nach Puerto Rico zurückzutragen, ging es mir darum, Einblicke in die Situation auf der Insel in die Welt hinauszutragen, damit Menschen anderswo verstehen, was los ist, sich solidarisieren und uns auf die eine oder andere Art auch helfen. Zum Beispiel spreche ich immer, vor jedem Konzert, über Oscar López, einen puertoricanischen Aktivisten der FALN (Nationale Befreiungsarmee), der 35 Jahre in US-Haft verbrachte und im Mai 2017 freigelassen wurde. Es ist wichtig, dass wir selbst, die Puertoriqueñxs, als auch Menschen überall auf der Welt wissen, was in Puerto Rico passiert.

Gibt es eine bestimmte Geschichte von der Reise, die Sie besonders geprägt hat oder ein Zusammentreffen mit einer bestimmten Person, das Sie an dieser Stelle teilen möchten?
Alle Begegnungen dieser Reise waren unglaublich intensiv. Zum Beispiel entstand das Lied „Guerra“ in Armenien und ich traf einen Jungen, der mit seiner Familie vor dem Krieg flüchten musste. Sein Vater blieb jedoch zurück, um zu kämpfen. Diese Geschichte, verbunden mit dem Gefühl, diesem Jungen gegenüberzustehen, war hart für mich und natürlich halfen mir diese Begegnungen, die Songtexte zu schreiben. In Tuwa, Sibirien, lernte ich Frauen kennen, die im Oberton singen, das heißt gleichzeitig zwei Töne, einen hohen und einen tiefen, produzieren. Diese Momente zu erleben, unter diesen Frauen zu sein, mitten im Nichts und gleichzeitig inmitten von allem, das war großartig. Auch meine Zeit in Afrika, in Burkina Faso war einzigartig. Jede Person, jede Musik, die ich kennenlernte, war speziell. Deshalb ist dieses Album so besonders, jeder Ton real, aufgenommen an unterschiedlichen Orten unter verschiedenen sozialen Bedingungen. Das wird in jedem Lied spürbar. Alle Menschen, die die Musik hören, werden all das entdecken und verstehen können.

In der Vergangenheit wurden Sie häufig dafür kritisiert, in Texten und Videos sexistische Stereotype zu reproduzieren. Davon haben Sie sich bereits mehrfach öffentlich distanziert und ich möchte keine alten Diskurse reproduzieren, nur um Sie erneut zu degradieren. Doch fällt mir auf, dass Sie sich auf Ihrer Website und in Songtexten mit verschiedenen sozialen Bewegungen und Studierenden-Netzwerken solidarisieren, nie aber explizit mit feministischen Gruppen. Zum Beispiel gab es mit der feministischen Großdemonstration in Rosario im vergangenen Jahr, oder 2015 mit der Entstehung der Bewegung „Ni una menos“ viele Anschlussmöglichkeiten.
Im neuen Album gab es auf ganz natürliche Art eine Verbindung zu diesem Thema. Im Album wie auch im Dokumentarfilm spielen Frauen eine zentrale Rolle. Frauenstimmen stehen im Vordergrund, in allen Liedern. Es sind Frauen, die den Chor singen, in „Guerra“, in „Apocalíptico“ – beides heftige Lieder und Ausdruck davon, wie Frauen kämpfen, zum Beispiel in Sibirien inmitten des Krieges friedlichen Widerstand zeigen mit ihrem Gesang. Ich weiß, dass es in Lateinamerika nach wie vor einen super starken Machismus gibt, aber ich habe immer versucht, mich mit feministischen Gruppen zu vernetzen, auch mit der LGBTQ*-Bewegung.

Eine letzte Frage in Bezug auf Ihre politische Vernetzung in Deutschland. Ihr Konzert findet am 30. Juni statt, kurz darauf, am 8. Juli, versammeln sich in Hamburg die 20 mächtigsten Staatsoberhäupter, unter anderem auch Donald Trump als Repräsentant für Ihr Land, zum G20-Gipfel. Es gibt viel Mobilisierung gegen dieses Event, haben Sie davon etwas mitbekommen?
Leider nicht, aber ich würde mich gerne vernetzen. Ich kenne viele interessante Menschen in Deutschland, vor allem in Berlin, aber mehr in Verbindung mit Kunst oder sozialen Projekten. Jedoch weiß ich weniger, was politisch passiert. Es gibt so viele Menschen in Berlin, die sich für die Geschehnisse in Südamerika interessieren und damit es alle wissen, möchte ich zum Schluss noch sagen, dass auf dem Konzert im Juni auch die Calle 13 Lieder gespielt werden, nicht nur die Songs des neuen Albums als Residente. Ich habe alle Lieder für Calle 13 selbst geschrieben und sehe sie als Teil des Prozesses, der mich zu den jetzigen Projekten brachte. Calle 13 wird erstmal nicht mehr auftreten und ich denke das wird auch für eine lange Zeit so bleiben. Die einzige Möglichkeit, diese Musik weiterhin zu hören, ist nun bei Residente-Konzerten.


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