Bereits zwei Wochen nach Amtseinführung der Regierung von José Antonio Kast im März erklärte der chilenische Minister für Wohnungsbau, Iván Poduje, in einem Interview mit der Zeitung La Tercera, er werde den Beschluss zur Enteignung der ehemaligen Colonia Dignidad „widerrufen und ein Dekret erlassen, das den ursprünglichen Beschluss dafür rückgängig macht“. Damit stellt er den von der Vorgängerregierung Boric geplanten Weg zur Errichtung einer Gedenkstätte und eines Dokumentationszentrums in der ehemaligen deutschen Sektensiedlung (siehe LN 610) komplett infrage.
Es gebe weder Geld für ein Verkehrswertgutachten noch für die Entschädigungszahlungen für das Gelände, so Poduje. Präsident Kast erklärte weiterhin in einem Fernsehinterview, es sei „unangemessen“, ein „117 Hektar großes Areal zu einem Gedenkort zu machen“. Chile habe kein Geld und dürfe sich nicht weiter verschulden.
Menschenrechtsbewegungen und Angehörige von in der ehemaligen Colonia Dignidad verschwundengelassenen politischen Gefangenen der Diktatur wie Myrna Troncoso Muñoz, María Escobar Escanilla und Margarita Maino Canales kritisieren die Ankündigung. Die staatliche Entscheidung zur „Rückabwicklung des Enteignungsprozesses“ sei gefährlich und könne zu irreparablem Schaden führen, erklären sie in einer Petition, die sie zusammen mit der Rechtsanwältin Mariela Santana von der Menschenrechtsorganisation CODEPU an die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte (CIDH) richten.
















