Was führt euch nach Berlin und Deutschland?
Der Zweck unseres Kommens ist, hier in Berlin Kräfte zu vereinigen, mit der Bevölkerung in Kontakt zu treten und die Realität aufzuzeigen, damit die Kinder in der Zukunft auch eine Vision haben. Damit sie die Realität dessen, was geschieht, erkennen können. Denn ich glaube, der Klimawandel betrifft nicht nur uns, sondern trifft auch Deutschland. Wir haben schon Kommentare gehört, dass es hier früher nicht so heiß wurde wie jetzt. Das Klima wandelt sich auch hier. Zum Beispiel wurde uns von einer Art Spinnennetzen in den Bäumen erzählt, die es hier früher nicht gab, die jetzt immer häufiger werden. Das ist der Klimawandel, nicht wahr? Wir, die wir näher dran sind, leiden auch mehr darunter. Denn heutzutage war’s das mit unseren Gärten, das war’s mit unserem Anbau. Wir machen das nicht mehr. Es gibt konstante Veränderungen am Klima, das ist jedes Jahr ein neuer Kampf. Wir wissen nicht, was passieren wird. Wir kämpfen gegen das Klima der Natur an, das ist wie ein Krieg für uns. Jedes Jahr fragen wir uns, was wohl dieses Jahr auf uns zukommt, welche Veränderung im Klima wird unser Territorium diesmal treffen. Also sind wir hier in Berlin, um Partnerschaften aufzubauen, die uns unterstützen, und um zu zeigen, wie sehr wir darunter leiden. Dass unsere Heimat aus Flüssen und Wald besteht. Doch die Flüsse und der Wald, die uns versorgen, die Teil unserer Lebensgrundlage, unserer Ernährung sind, werden abgetötet. Unser Land wird immer schwächer, und bittet uns um Hilfe.
Am Ufer des Flusses Tapajós wurde ein Gemeindezentrum gebaut – hat die Präsenz der Bevölkerung dort bereits Effekte gezeigt?
Ja, denn bevor es das Gemeindezentrum gab, wurde dort und in der Umgebung umfangreich Gold abgebaut. Heute, seit das Zentrum gebaut wurde, haben die Goldgräber sich weiter entfernt. Sogar das Wasser ist sauberer geworden, nicht komplett sauber, aber es ist klarer als vorher, das kann man sogar auf Maps sehen. Die Goldgräber, Holzfäller und die Palmiteiros (Palmherz-Ernte-Arbeiter), die die Palmherzen ernten, wissen jetzt, dass wir diesen Ort überwachen. Alles, was dort passiert, wird von den Bewohnern weitergegeben, deshalb wollen wir dieses Projekt weiter ausbauen. Es gibt bereits Strom und Solaranlagen dort, was andere Dörfer nicht haben, und wir wollen das auch in anderen Orten, damit wir unser Territorium besser beobachten und verwalten können.
Ist das Gemeindezentrum auch ein Ort, an dem sich die Gemeinschaft vernetzt und zum Beispiel jüngere Generationen in euren Kampf einbezieht?
Es ist so: Viele junge Leute gehen in die Stadt, um zu studieren, richtig? Weil es keine Universität im Dorf gibt. Das heißt, dass von dieser Seite her unsere Präsenz im Territorium verringert wird, weil man, um zu studieren, in die Stadt gehen muss. Früher hatten wir keine Oberstufe innerhalb von Tapajós. Heutzutage gibt es dafür eine Schule und auch eine Fakultät zum Studieren. Denn dass die jungen Leute weggehen, das ist nicht gut für uns.
Wie ist das Verhältnis zur Regierung und ihren Institutionen? Gibt es Unterstützung?
Die Regierung? Die unterstützt uns nie. Sawré Muybu und Sawré Ba’pim waren da große Streitpunkte. Offiziell wurden diese Orte inzwischen als indigenes Territorium anerkannt, aber wir wollen, dass das auch physisch markiert wird, mit Schildern und allem. Aber dafür ist anscheinend kein Geld da; um innerhalb unserer Territorien zu arbeiten aber schon. Dann wird behauptet, dass diese Arbeiten legal wären, aber das stimmt nicht, es ist illegal. Die Regierung hat hier auch große Sojaanbau-Projekte, die unsere Territorien und unsere spirituell bedeutsamen Orte stören. Aber an diesen Stellen wird dann nicht hingeschaut. Da wir keine eigene Partei haben, unterstützen wir diejenigen, die uns am wenigsten Probleme machen.
Wäre eine Indigene Partei sinnvoll?
Ja! Dieses Jahr gibt es Alessandra Korap Munduruku, die als Bundesabgeordnete kandidiert. Das ist eine unserer Strategien – eine Person in Regierung zu haben, könnte uns vieles erleichtern. Je mehr Indigene in der Regierung, desto besser. Sie kennen unsere Bedürfnisse und haben unsere Notlage am eigenen Leib erlebt.
Wie kann man euch von hier aus unterstützen?
Lasst uns unsere Kräfte vereinigen! Hier gibt es einige Partner, die uns unterstützen, und das ist großartig. Aber wir brauchen noch mehr Hilfe. Das heißt auch, kein Gold oder andere Produkte zu kaufen, die aus Brasilien und den indigenen Territorien kommen. Dieses Gold kommt vom Tod, sein Abbau tötet unsere Erde, tötet unsere Wälder und tötet unseren Fluss. Jedes Gold, das aus Brasilien kommt, trägt das Leid in sich, das wir dort erleben. Denn nicht alle sind auf unserer Seite. Aber wir sind hier und sehen, wie Projekte wie dieses in unserem Territorium auch Resultate liefern.
Rilcélia, wie ist deine Erfahrung hier in Berlin?
Diese Einladung unserer Partner, das alles ist eine sehr neue Erfahrung für mich. Es ist sehr schön, hier auf der anderen Seite der Welt Menschen kennenzulernen, die uns unterstützen und sich um uns sorgen, während die brasilianische Regierung versucht, uns zu töten. Von daher ist es sehr erfüllend, heute diese Partnerschaft mit Berlin aufzubauen. Wir sind den Menschen, die uns hier unterstützen, die für uns Informationen verbreiten und uns helfen, der Welt unsere Realität zu zeigen, sehr dankbar, weil wir auch Resultate sehen. Im Namen unseres Volkes, dass nicht hier sein kann und das wir vertreten, zeigen wir was möglich ist. Und das ist schön.
Wie ist es für euch, hier Menschen aus Brasilien zu treffen?
Das freut uns immer sehr, besonders weil wir so weit weg sind. Gestern haben wir in der Metro eine Frau getroffen, deren Familie auch aus Pará kommt, und sie eingeladen, heute den Film mit uns anzusehen. Sie wird heute kommen, und das ist sehr schön. Wir fühlen diese gute Energie und freuen uns darüber.


















